Zwei Nächte am Fensfjord

Vom südlichen Ufer des Sognefjords brachen wir am Freitagnachmittag auf. Wir wollten am Wochenende oder die kommende Woche nach Bergen, dazu lagen aber noch einige Kilometer vor uns. Die Wäsche wollte ebenfalls mal wieder gewaschen werden, also suchten wir uns einen Campingplatz am Fensfjord aus. Von unserem Stellplatz führten mehrere Straßen dorthin: Wir entschieden uns trotz des schlechten Wetters für die Passstraße, da auch wolkenverhangene Berge ihren Charme haben. Zum Glück war auf dem ersten Teil der Strecke wenig los, die Straße war allerdings auch nicht viel breiter als unsere Lotte. Außerdem stürzten nach wie vor von allen möglichen Felsen kleiner und größere Bäche direkt neben und unter der Straße ins Tal.


Als wir auf der anderen Seite der Berge wieder Richtung Fjord kamen, erhöhte sich das Verkehrsaufkommen. Kurz vor dem Ziel erfuhren wir von einer Brückensperrung und wurden umgeleitet, sodass wir wieder einige Kilometer zurück fahren mussten und dann nochmals 20 Minuten auf einer engen – und nun leider auch überlasteten – Straße zum Campingplatz fahren mussten. Irgendwo auf halber Strecke hatten zwei Mädels ihre Chance gewittert und einen Kuchenverkauf in einem Bushäuschen eröffnet. Da wir ihnen auch Euros geben konnten, nahmen wir zwei Stückchen mit. Sehr lecker!
Auf dem Campingplatz erledigten wir zunächst die Wäsche der Kleidung, und wenn man schon mal hier war, auch die Wäsche von uns. Es regnete immer noch. Am nächsten Morgen weckten uns aber dann Sonnenstrahlen und Regengeprassel, das immer mal wieder aussetzte.

Den Tag über setzte sich die Sonne immer mehr durch – oder zumindest hörte es für immer längere Zeit auf zu regnen. Wir genossen entspannt den Samstag draußen (für Wanderungen oder ähnliches war es aber leider noch viel zu nass) und entschieden uns nachmittags dazu, auf die vorgelagerten Inseln des Fjordes zu fahren.

Auch wenn die Strecke dorthin bereits eindrucksvoll genug war, fanden wir einen sehr hübschen Platz auf einer kleineren Insel bei Lamholmen. Wir standen direkt am Fjord, dann kam eine enge Straße und dann kam wieder Fjord von der anderen Seite. Die Häuschen hier sahen recht neu aus. Vermutlich waren die Inseln bis vor wenigen Jahrzehnten noch gar nicht so einfach zu erreichen wie wir es heute konnten.
Der Wind frischte etwas auf, Konstantin holte dennoch seine Angel raus, ich rollte meine Yoga-Matte aus und Müsli legte sich etwas schlafen. Zum Abendessen gab es frischen Barsch. Über die Nacht kamen neue Wolken, ein paar mal tröpfelte es, aber am nächsten Morgen wurden wir mit einem schönen Sonnenaufgang begrüßt.

Um die Mittagszeit brachen wir auch hier auf und fuhren weiter Richtung Süden / Bergen. In einer kleineren Ortschaft davor, machten wir Mittagspause. Wir fanden ein hübsches Plätzchen an einem kurzen Nebenarm eines Fjordes. Dank der wärmenden Sonnenstrahlen konnten wir sogar draußen essen.

Über das bergige Hinterland am Sognefjord entlang

Von unserem Arbeits-Parkplatz in der Ortschaft Lærdalsøyri am Sognefjord fuhren wir abends noch an einen etwas ruhigeren Platz kurz vor der Ortschaft, direkt am Fjord. Tagsüber hat es zwar noch nicht so viel geregnet, wie der Wetterbericht prophezeit hat, jedoch hingen bereits dicke Wolken über den Bergen. Konstantin und ich nutzten unseren Feierabend und das “gute” Wetter noch, um etwas zu Angeln bzw. für ein bisschen Yoga auf den Felsen am Fjordufer.
Da wir hier guten Internetempfang hatten, entschieden wir uns dafür den Dienstag tagsüber ebenfalls hier zu stehen. Der Tag begann relativ früh für uns, da auf dem Parkplatz aktuell auch einige Aushubhaufen und ein Radlader standen. Morgens um 6.30 wurde die erste Fuhre geholt. Gefühlt wurde das Kies aber nicht in die Mulde des LKWs gekippt, sondern direkt in unser Bett. Aber wo wir schon mal wach war, konnten wir bei Dauerregen auch direkt ordentlich Aufgaben abarbeiten.

Sognefjord bei Lærdalsøyri

Am Abend ging es weiter entlang des Sognefjords Richtung Mündung. Dazu mussten und wollten wir aber auf der nördlichen Seite des Fjordes fahren. Wir fanden ein Plätzchen (ebenfalls am Fjord) bei Hermansverk. Leider regnete es hier immer noch – und das sollte auch die kommenden Tage weiter anhalten.
Am Mittwoch Morgen zeigte uns die Batterie, mit der wir unsere Laptops laden und den allgemeinen Strom für die Lotte beziehen, dass sie nun so gut wie leer sei. Weil das Wetter nicht zu unseren Gunsten war und wir arbeiten mussten, suchten wir den nächsten Campingplatz auf. Diesen fanden wir in einem nahegelegenen Skigebiet, das aktuell noch für den Winter und seine Gäste fit gemacht wird. Nachdem wir herausgefunden hatten, welche der Kabel dort auch wirklich Strom führten, konnten wir wieder beruhigt vor uns hinwerkeln. Obendrein gab es hier noch freies WLAN (was nach wie vor ein wesentlicher Kostenpunkt hier in Norwegen ist) und wir waren so gut wie alleine. Damit meine ich, dass wir zwar die einzigen Camper auf dem Platz waren, aber wir von der Lotte aus etwa drei Bagger beobachten konnten.

Sognefjord bei Hermansverk

Wo wir nun schon mal wieder eher ungewollt von unserem Plan abgewichen sind, fuhren wir am Donnerstag noch etwas weiter über das bergige Hinterland zu einer Tankstelle in Førde, bei der wir unseren Gasvorrat aufstocken konnten. Hier in der Nähe fanden wir auch einen Parkplatz, wo wir tagsüber arbeiten konnten. Nachmittags ließ der Regen nach und ab und an schien die Sonne zwischen den Wolken hervor. Eigentlich hätte man von diesem Platz aus auch gut die ein oder andere Wanderung starten können, aber dazu war der Boden und die Wege viel zu aufgeweicht vom Regen der letzten Tage. Über all bildeten sich kleine Gebirgsbäche an den schroffen Felswänden und Bäche, die es auch bei weniger Wasser gibt, entwickelten sich zu tosenden, wilden Flüssen.

Wir entschieden uns, abends nochmals weiter zu fahren, weil es hier in der Natur einfach viel zu nass war. So fanden wir einen recht netten Platz in Mündungsnähe des Sognefjordes. Auf dem Weg dorthin setzten wir erneut mit einer Fähre über, sodass wir nun wieder auf der Südseite des längsten Fjordes Norwegen sind. Einen weiteren Vorteil hatte die neue Platzwahl außerdem: Konstantin konnte abends nochmals angeln und unser Abendessen mit Fisch bereichern.

Risnefjord bei Brekke

Vom Jostedalsbreen Nasjonalpark an einen Nebenarm des Sognefjords

Uns faszinierten die Gletscher hier auf irgendeine Weise und wir wollte gerne hautnah, aber gleichzeitig so sicher wie möglich, an einen herankommen. Vielleicht sogar ein paar Schritte auf dem Eis gehen. Im besten Fall aber ohne wesentliche Ausrüstung und Vorbereitung oder ohne eine teure Gletscherführung. Also durchsuchten wir das Internet und fanden auf der anderen Seite des Jostedalsbreen Nasjonalpark einen weiteren Gletscher, den Nigradsbreen, dem man durch eine kurze und einfach Wanderung recht nah kommen konnte – so zumindest versprachen es uns die Bilder der Wanderer.
Tatsächlich war der Weg zum Gletscher recht einfach, nicht zuletzt dadurch, dass der Parkplatz direkt am Gletschersee lag und der Gletscher sich noch nicht zu sehr in den Berg verzogen hat. Wir kamen schon etwas näher an das Eis heran als am Briksdalsbreen, aber Konstantin wollte noch etwas mehr wissen.

Gletscher Nigradsbreen

Glücklicherweise bekamen wir auf dem Weg zum Nigradsbreen den Tipp, dass nur ein Tal weiter ein etwas kleinerer Gletscher sei, an dem kaum Absperrungen sind und an dem wohl weniger Gefahr bezüglich Stein- und Eisrutschen bestünde. Für den Samstag war uns das zu viel, da wir hier nirgends die Nacht über stehen bleiben durften. Wir suchten also einen Stellplatz an der Straße und würden am Sonntagvormittag nochmals in das Tal zum Tuftebreen fahren. Genau genommen waren in diesem Tal noch zwei weitere Gletscher: Vor allem der Bergsetbreen lag mächtig und schwer im Talschluss und bildete einen krassen Kontrast zu den Wiesen und Bäumen des Tals.
Konstantin hatte Glück und konnte nach einem deutlich anstrengenderen Weg zum Tuftebreen wirklich sehr nah an das Eis und den Gletscher hin. Unwahrscheinlich blau und viel glatter als man es sich vorstellt, und jeden Höhenmeter wert!

Blick auf den Bergsetbreen-Gletscher

Am Sonntagnachmittag ließen wir die den Jostedalsbreen Nasjonalpark hinter uns und fuhren Richtung Sognefjord. Der Wetterbericht versprach für die kommenden Tage Wolken und Regen, sodass wir die leichten Wolken nutzen wollten, um die Aussichtsplattform Stegastein bei Aurlandsvangen zu besuchen. Von hier konnte man einen weiten Teil des Aurlandsfjord, einem Seitenarm des längsten Fjordes Norwegens, dem Sognefjord, überblicken. Als wir die steile und kurvige Passstraße nach oben fuhren, durchbrach die Sonne mehr und mehr die Wolken. Ehrlicherweise müssen wir sagen, dass wir nicht so ganz wissen, wie das Wetter davor war, weil wir für einige Zeit durch einen Tunnel fuhren: Der Lærdalstunnel, ein Teil der E16, führt über knapp 25km durch den Berg und ist die heutige Alternative zur steilen Passstraße über ebendiesen Berg.

Die Landschaft hier gefiel uns, sodass wir beschlossen, nicht unweit an einem Parkplatz entlang der Straße stehen zu bleiben. Auch ich wollte noch ein paar Höhenmeter machen, also wanderte ich auf den nahegelegenen Røyrgrind. Von hier konnte man ähnlich weit sehen wie vom Stegastein aus – nur dass man hier nicht auf den perfekten Platz ganz vorne fürs Selfie warten musste, den Gipfel hatte ich am späten Nachmittag für mich alleine. Allerdings ging doch auch ein frischer Wind, sodass ich nach einigen Minuten wieder den Rückweg antrat.

Leider hatten wir an unserem hübschen Plätzchen mitten am Berg keinen guten Empfang, sodass wir zwar die Nacht über hier blieben, aber am Montag Morgen die Straße zurück nach Lærdalsøyri fuhren, eine mittelgroße Ortschaft am anderen Ende des Tunnels bzw. der Passstraße. Schließlich mussten wir montags wieder arbeiten und dafür brauchten wir gutes Internet.

Der Gletscher Briksdalsbre im Jostedalsbreen Nasjonalpark

Eigentlich wollten wir vom Geirangerfjord mehr oder weniger direkt zu einem der Gletscher des Jostedalsbreen Nasjonalparks fahren. Wir bekam von dem Mitarbeiter des Kajakverleihs in Geiranger den Tipp, diese unbedingt anzusehen (“You HAVE to see them, because… they’re melting…”). Leider lagen zwischen Geiranger und den Gletscherenden, die relativ einfach erkundet werden konnten einige steile Straße und unser Wohnmobil machte wieder etwas Zicken, sodass unsere Fahrt zunächst in Stryn endete. Die kompetenten Mechaniker der Werkstatt konnten aber nichts offensichtliches feststellen – tatsächlich war das Klappern vorne links während der langen Bergabfahrt auch wieder ruhiger geworden und verschwand schließlich wieder ganz. Wir sollten also zunächst mal weiter fahren und eine Werkstatt suchen, wenn es wieder kommt.

Auch Müsli ging es nicht besonders, also wollten wir einen Tierarzt aufsuchen. Dazu kam noch, dass wir leider in keinem der vielen Läden zwischen Stordal und Stryn unsere Mobilfunk-Karte wieder aufladen konnten. Das ging nun wohl doch nur in einem Laden des Anbieters – der nächste wäre bei Ålesund und uns gingen die mobilen Daten aus, während Meetings anstanden. Also nahmen wir den ohnehin verregneten Donnerstag und fuhren nochmals ein gutes Stück Richtung Ålesund.
Hier fanden wir einen Laden, der uns neues Guthaben auf die SIM-Karte lud und vor allem auch einen Tierarzt, der sich Müsli näher anschaute. Zum Glück war ihre Urinprobe unauffällig, sodass wir auch sie beobachten sollten und gegen eine etwaige Entzündung bekamen wir ein Medikament.

Am Freitagmittag machten wir uns dann nach den Meetings auf Richtung Gletscher. Nach guten zwei Stunden Fahrt und einem Versorgungsstopp bei einem Supermarkt kamen wir am Parkplatz vor dem Briksdalsbre-Gletscher an. Das Wetter war inzwischen auch wieder besser, sodass die Sonne bereits hinter den ersten Gipfeln verschwand und den Gletscher und die umliegenden Berge in ein warmes Licht tauchte. Aus jeder Ecke der Berge entsprangen Wasserfälle und Bäche. Bereits auf dem Weg in den Talschluss vermuteten wir hinter den meisten Gipfeln Gletscher, die sich wohl über die Jahre immer mehr hinter diese zurückzogen.

Der Weg zum Gletscher war recht einfach und gut ausgebaut, sodass wir recht schnell zuerst einen gigantischen Wasserfall erreichten und wenig später auch schon den Gletschersee. Wir standen nun nur noch wenige hundert Meter vom massiven Eis des Briksdalsbre-Gletscher entfernt. Kaum zu glauben, dass an der Stelle an der wir standen vor weniger als 100 Jahren noch meterhohe Eis- und Schneemassen lagen und nun schon Birken und Sträucher wachsen als wäre es schon immer so.
Auf dem Weg zum Gletschersee verdeutlichten Schilder den Rückgang des Gletschers. Begonnen bei 1760 war der Gletscher wohl noch kurz über dem riesigen Wasserfall – etwa 260 Jahre später hängt nur noch ein letzter Teil zwischen den Felsformationen. Zusammen mit den vielen anderen Gletschern ober- und hinterhalb dieser Gipfel bildet der Jostedalsbreen-Gletscher den größten europäischen Festlandsgletscher und trägt damit nicht unwesentlich zu der Kühlung unserer Erde bei.

Wir kosteten das Gletscherwasser im vorgelagerten See und genossen den Blick über dieses hochgelagerte Tal, bis die Sonne fast gänzlich hinter den Bergen verschwand und nur noch den Gletscher beleuchtete. Von Ruhe konnte man hier oben allerdings kaum sprechen, auch wenn wir irgendwann nur noch die einzigen hier oben waren. Doch die Schmelzwasserbäche die nahezu jeden Berg hinabstürzten, ließen Unterhaltungen meist recht bald verstummen.
Als es uns dann auch zu frisch wurde, stiegen wir wieder ab und wärmten uns in der Lotte. Vielleicht hatten wir in den nächsten Tagen nochmals die Chance auf einen weiteren Gletscher, da wir tatsächlich noch ein bisschen näher an das Eis ran wollten. Das war hier nicht möglich, da die Gefahr besteht, dass von den Felsen Gesteinsbrocken oder aber auch vom Gletscher Eis abbrechen könnte.

Geirangerfjord: Zwischen unberührter Natur und Massentourismus

Am Mittwoch wurden wir durch die klare und zugegeben etwas kalte Luft bei dem Morgenspaziergang mit Müsli so richtig wach. Als es dunkel war, konnten wir einen wunderbaren Sternenhimmel beobachten. Nun versprach die Sonne bald über die Berggipfel zu steigen. Am späten Vormittag zog langsam aber stetig eine Wolke über den Fjord herein und an den Hängen empor, sodass sie uns nicht erreichte.

Wolke über dem Geirangerfjord

Für den Nachmittag hatten wir vor, eine Kanu- oder Kajaktour über den Geirangerfjord zu den Wasserfällen der “sieben Schwestern” zu unternehmen. Das Kanu / Kajak wollten wir in Geiranger leihen. Hier lag gerade ein riesiges Kreuzfahrtschiff vor Anker.
Als wir noch durch die Gassen Geirangers schlenderten, verdarben uns die Touristen, die gerade auch alle Landgang hatten, einigermaßen die Laune dazu. Die Hütten und Sträßchen am Hafen waren zwar schon so stark touristisch ausgelegt, aber damit muss man wohl in einem Ort wie hier rechnen. Aber irgendwie verbreiteten die Gäste des Kreuzfahrtschiffes, das ganz nebenbei komplett unpassend in diesem engen und ruhigen Fjord lag, eine ebenso unpassende, wuselige und hektische Atmosphäre. Als würden alle die Menschen nur hier sein, damit sie zuhause Bilder und Geschenke verteilen können – als wäre diese Station hier nur eine von vielen und gedanklich wären sie vielleicht schon wieder einen Halt weiter.

Kreuzfahrtschiff im Geirangerfjord

Wir versuchten also diesen Massen schnell zu entkommen, und fanden heraus, dass es auch im Ort neben Geiranger einen Kajakverleih gibt. Von dort aus hätten wir auch nicht ganz so weit bis zu den Wasserfällen. Offensichtlich gibt es in Norwegen auch hauptsächlich Kajaks, was mit Müsli spannend werden würde. Schließlich hatten wir in den engeren und vor allem geschlossenen Kajaks im Vergleich zu den doch recht geräumigen Kanus weniger Platz. Aber Müsli machte das beste daraus und döste nach einiger Zeit sogar ein bisschen vor sich hin. Auch Konstantin und ich brauchten ein bisschen bis wir uns zurecht fanden: Ich, weil ich neben dem Paddel auch noch Fußpedale zu bedienen hatte, die allerdings anders funktionieren als würde man in die entsprechende Richtung rudern wollen (also linkes Pedal drücken = Linkskurve; Links paddeln = Rechtskurve), und Konstantin, weil er mit Müsli und seinen Beinen noch weniger Platz hatte als eh schon. Aber als es dann lief, kamen wir recht gut voran.

Nach unserer Mittagspause auf einem Dock, das wir erfolgreich erreicht hatten ohne großartig nass zu werden, brachen wir dann zum eigentlichen Ziel unserer Tour auf: Die sieben Schwestern auf der einen Seite des Geirangerfjordes und der Freier auf der anderen. Beides sind ziemlich beeindruckende Wasserfälle. Die einen stürzen sich mehr oder weniger parallel nebeneinander in die Tiefe. Bei guten Verhältnissen (einigermaßen viel Regen in der letzten Zeit) sind alle sieben Schwestern da, wir hatten eher nur auf 5 oder 6 gezählt. Aber auch das war schon ein toller Anblick.
Der andere kommt (vom Fjord aus betrachtet) eher unscheinbar aus dem Fels und fächert sich dann nach unten hin auf. Tatsächlich rauschte dieser Wasserfall deutlich mehr als sein berühmtes Gegenüber. Vielleicht machte aber auch gerade die Kombination dieser beiden Wasserfälle den Ort, der übrigens nicht mit dem Auto zu erreichen ist, da die Straße nicht am Fjord entlang verläuft, sondern über die Berge kommt und geht, zu etwas so besonderem Ort.

Wir verweilten hier nochmals einige Zeit auf dem Wasser und setzten dann zur finalen Paddelung zurück zum Kajakverleih an. Der wirklich sehr nette Mitarbeiter empfing uns schon. Er empfahl uns auch noch den ein oder anderen Spot, den wir hier in der Gegend auf keinen Fall auslassen sollten, wenn wir die Zeit hätten. Diese Tipps nehmen wir doch gerne an, sodass wir wenig später der Straße aus Geiranger hinaus folgten. Es ging wieder eine steile, enge und kurvige Passstraße nach oben. Auf halber Strecke wurden wir aber nochmals mit einem einmaligen Blick über den Fjord, der für mich nicht unterschiedlicher sein könnte, belohnt.

Geiranger mit dem Geirangerfjord

Am Storfjord entlang zum Geirangerfjord

Von Ålesund brachen wir am Montagnachmittag auf und fuhren wieder einige Kilometer von der Küste ins “Hinterland”. Unser nächstes großes Ziel ist der Geirangerfjord und der namensgebende Ort Geiranger. Ålesund liegt an der Mündung dieses Fjordes und der dazugehörigen Seitenarme.
Vor unserem Aufbruch in Ålesund hatten wir sogar noch Glück mit dem Wetter. Die Sonne schaffte es nach vielen Tagen wieder einmal so richtig durch die Wolkendecke und der Himmel strahlte in hellem Blau anstatt wie sonst in leichtem bis dunklem Grau. Also nutzten wir unsere Mittagspause nochmals für einen kleinen Ausflug mit Müsli auf einen der Berge, die hinter unserem Parkplatz empor stiegen. Aber tatsächlich mussten wir feststellen, dass die eher trübe Stimmung in den letzten Tagen auch ihren Charme hatte, wenngleich wir uns nun natürlich in den Sonnenstrahlen aufwärmen konnten und der Blick ein bisschen weiter in die Ferne schweifen konnte.

Einen hübschen Sonnenuntergang konnten wir dann in Stordal am Storfjord beobachten. Schon recht bald verschwand die Sonne hinter den gegenüberliegenden Gipfeln und tauchte uns und die Lotte dafür in wunderschönes Licht.
Der Dienstag versprach ein wettertechnisch wunderbarer Tag zu werden. Als wir morgens aufwachten, hingen lediglich an besagten Gipfeln gegenüber ein paar leichte Wolken. Der restliche Himmel erstrahlte in einem satten blau. Die Sonne aber brauchte noch einige Zeit, um auch uns und die Lotte mit Wärme und unsere Solaranlage mit Energie zu versorgen. Dennoch kletterten die Temperaturen an diesem Tag nicht wesentlich über 15°C – im Schatten eher noch weniger. Dennoch war es schön einige Minuten draußen zu sitzen und die Ruhe und das leise Glucksen des Wassers gegen die Hafenmauern zu genießen.
Leider hatten wir genau an diesem Tag einigermaßen viele Termine und Aufgaben, sodass es nicht für großartige Outdoor-Aktivitäten reichte.

Abends zogen wir weiter nach Geiranger, wobei wir letztendlich auf einem kleinen Parkplatz kurz vor der Ortschaft landeten. Der Weg dort hin hielt eine kurze Fährüberfahrt sowie eine Passstraße für uns bereit. Bevor es die letzten Höhenmeter und Serpentinen hinab zum Geirangerfjord hinunter ging, machten wir an einer Aussichtplattform Halt. Von hier aus hatte man einen wunderbaren Blick auf Geiranger, aber auch auf die “Sieben Schwestern”. Diese Wasserfälle, die einigermaßen parallel den Berg hinab in den Geirangerfjord stürzen, lagen jedoch nicht optimal in der Blickrichtung, sodass wir diese nur theoretisch dort vermuteten und bei weitem nicht alle sieben Wasserfälle sahen.
Von unserem Stellplatz aus hatten wir aber auch nochmals einen schönen Blick über den Fjord.

Ålesund und seine Meeresbewohner

Am Sonntag fuhren wir von unserem Schlafplatz wenige Kilometer vor der Stadt nach Ålesund hinein und spazierten ein wenig durch die hübschen Gassen. Ålesund brannte im Jahr 1904 größtenteils ab, was zur Folge hatte, dass die Häuser in den darauffolgenden Jahren meist im Jugendstil wieder aufgebaut worden sind. Uns gefielen die Straßen mit den schicken, aber nicht zu pompösen Häusern sehr gut. Auch die Mischung mit der modernen Architektur, die hier und da inzwischen schon wieder ein älteres Haus ersetzte, ist schön anzusehen. In dieser Hafenstadt hatte man schon recht schnell das Gefühl, dass es sich hier gut leben lässt: Nicht nur die Häuser und Gässchen, sondern auch der kleine, aber feine Hafen und die umgebende Landschaft der Fjorde und Berge tat sein Übriges.

Einer der Touri-Spots in Ålesund ist der Stadtberg Aksla. Selbstverständlich konnten wir uns diesen nicht entgehen lassen. Vor allem ich wollte ein bisschen meine versäumte Aussicht von Åndalsnes nachholen. Heute hingen zwar immer noch dicke Wolken über uns, aber dafür deutlich höher und seither hielten sie ihr Wasser bei sich.
Knapp 420 Stufen später erreichten wir die Fjellstua, ein Restaurant in “Gipfel”-Nähe und einen kleinen Anstieg dahinter waren wir auch schon ganz oben. Von hier konnten wir beinahe ein 360°-Panorama über die Fjorde und Berge des Hinterlandes sowie die immer noch sehr bergigen Inseln Richtung Atlantik genießen. Auch der Blick über die strukturierte und auch von oben sehr einladende Stadt faszinierte.

Ålesund vom Aksla aus (Blick nach Westen)

Eigentlich wollten wir am Nachmittag mit einem Kanu durch den Hafen schippern, doch zum einen wurden hier nur Kajaks vermietet (was mit Müsli etwas eng wird) und zum anderen waren die für uns Spontane bereits von einer riesigen Gruppe ausgebucht. Also liefen wir zunächst noch ein bisschen durch die Gässchen, schauten in den ein oder andern Souvenirladen und entschlossen uns dann dazu, das Meeresaquarium Atlantikpark im Westen der Stadt zu besuchen.
Hier gab es neben zahlreichen Fischen auch Otter, Pinguine und Robben, bei deren Fütterungen wir teilweise zusehen konnten. Anders als in so manchem Großaquarium waren hier vor allem “unspektakuläre” Fische zu sehen, die also so auch weitestgehend vor der Küste vorkommen könnten. Aber tatsächlich ist es auch beeindruckend diese weniger bunten und schillernden Meeresbewohner zu sehen und Infos darüber zu erfahren. Besonders die Seelachse, Heilbutte und Rochen haben es uns angetan. Vielleicht auch, weil diese in einem besonders schönen und großem Aquarium präsentiert werden.

Nach unserem Besuch im Atlantikpark schaffte die Sonne es sogar für einige Minuten durch die Wolkendecke und irgendwie hatten wir immer noch Lust etwas zu sehen. Also schnappten wir uns Müsli und stiegen auf den Berg neben unserem Parkplatz. Von oben konnten wir einige Fähren auf den Fjorden hin und her sausen sehen und uns wurde ein tolles Lichtspiel durch die Sonne und die Wolken geboten. Nach einem warmen Tee und einigen Minuten der Ruhe stiegen wir in der Dämmerung wieder ab. Am gegenüberliegenden Ufer gingen nach und nach bereits die Lichter der Häuser und Straßen an. Alles in allem doch ein schöner Wochenabschluss!

Blick vom Pila (102m) Richtung Westen

Über elf Haarnadelkurven den Trollstigen empor

Von unserem Stellplatz am Hafen in Elnesvågen brachen wir am Samstag Vormittag Richtung Åndalsnes auf. Hier ist ebenfalls im Berg eine Plattform zu erreichen, von der aus man wohl einen wundervollen Blick über die Berg- und Fjordlandschaft dort haben kann. Der Wetterbericht versprach zwar keinen Bilderbuch Sonnenschein, doch es könnte am späten Vormittag etwas aufklaren. Gestartet sind wir mit dicken, tiefhängenden Wolken. Diese verbreiteten zwar auch eine einzigartige Stimmung entlang der Strecke, aber waren für unseren erhofften Fernblick vom Berg nicht gerade förderlich. Als wir in Åndalsnes ankamen, konnten wir die Plattform von unten aus nicht erkennen. Da auch eine Gondel nach oben führt, fragten wir hier nach, ob es sich lohnt die sehr steilen 500hm auf sich zu nehmen. Die Antwort war: Very, very cloudy!

Hurtigrutenschiff in Åndalsnes

Also planten wir um, kochten noch etwas zu essen und machten uns auf den Weg zum Trollstigen. Das ist der nördliche Teil einer Passstraße die südlich von Åndalsnes liegt und vom Romsdalsfjord zum Norddalsfjord führt. An der höchsten Stelle hat man durch den Trollstigen eine Höhe von etwa 700m ü.NN. erreicht. Besonderes Highlight dieser Passstraße ist, dass ca. auf der Hälft der Strecke ein gigantischer Wasserfall mit Hilfe einer Brücke zu überqueren ist. Am oberen Ende des Passes ist ein Rastplatz und eine Aussichtsplattform angelegt worden, von der aus man (bei guter Sicht) über die insgesamt elf Kehren und das gesamte Tal blicken kann.
Leider sollte uns dieser Blick verwehrt bleiben, weil auch hier die Wolken zu dicht hingen. Die 12% Steigung über gute 400hm schaffte Lotte vergleichsweise gut – lediglich die schmale Straße ließ uns bei Gegenverkehr etwas ins Schwitzen kommen. Der Nebel verbesserte diesen Sachverhalt nicht wirklich, da man von der einen Kehre nicht mal mehr die darunter liegende Straße sehen konnte…

Nichtsdestotrotz hielten wir oben an und wollten sehen, ob wir nicht vielleicht doch etwas sahen. Zunächst leider eher weniger. Wir waren komplett von Wolken umgeben. Doch ab und an ergaben sich Lücken zwischen und in der Wolke, sodass hier und da ein Berggipfel oder eine Berghütte oder Wolkenschwaden vor den umliegenden Bergen zum Vorschein kamen. Tatsächlich änderte sich die Sicht ständig, sodass immer wieder in einer anderen Ecke etwas auftauchte, dass uns zum staunen brachte. Vermutlich stünden wir heute noch oben, wenn das Wetter gut gewesen wäre, weil wir uns nicht satt sehen hätten können 😉
Der Wasserfall stürzte so aber ins Nichts und die Aussichtsplattformen ragten ebenfalls in weiße Wolken.

Nach einiger Zeit rissen wir uns los und fuhren den Pass auf der südlichen Seite wieder hinab. Hier hatten wir tatsächlich für einige Zeit freien Blick. Nachdem der höchste Punkt des Passes bei etwa 850m ü.NN. erreicht wurde, erstreckte sich vor uns ein einmaliger Blick entlang der Berge, die hier und da mit Wasserfällen gespickt waren. Dazwischen schlängelte sich die Straße entlang, die durch Seen und ebenfalls Bergbächen flankiert ist.
Damit kamen wir zu einem Seitenarm des bekannten Geirangerfjordes. Diesen wollten wir uns aber erst später ansehen. Zunächst stand Ålesund auf dem Plan. Diese Stadt liegt an der Mündung des Geirangerfjordes.

Südlicher Teil des Passes am Trollstigen

Die Mystik der Trollkirche bei Elnesvågen

Die Wanderung, die Konstantin von einem Norweger empfohlen worden ist, führt zur Trollkirka (Trollkirche). Das ist ein Höhlensystem, das für den Durchschnittswanderer frei zu begehen ist und in dem sich ein Wasserfall über viele, viele Jahre einen Weg durch massives Gestein gebahnt hatte. Eigentlich wären es vier Höhlen, jedoch ist in den letzten Jahren der Eingang zu einer Höhle eingestürzt. Die erste Höhle ist nach einem ca. 70m langen Weg durch den Fels zu erreichen, Höhle 2 und 3 liegen dahinter.

Wir machten uns also noch nach unserer Reparatur der Lotte am Freitag auf den Weg dort hin. Zugleich wollten wir damit sowieso eine ausgedehnte “Probefahrt” machen. Aber es lief alles rund und kein Klappern oder Leistungsverlust war zu erkennen.
Die Trollkirka liegt im Berg, also mussten wir noch etwa 3km mit etwa 350hm laufen, um zu ihrem Eingang zu gelangen. Da es offensichtlich steil werden würde, das Wetter nicht ideal war (kühler Regen) und Müsli sowieso mal wieder üben musste alleine zu bleiben, entschieden wir uns dafür sie bestens verpflegt in der warmen Lotte zu lassen. Im Nachhinein auch die richtige Entscheidung, da die Felsen des Weges wirklich etwas rutschig und vor allem hoch waren.

Der Weg verlief zunächst noch durch einen Mischwald und später dann durch einen Birkenwald, aber immer entlang des Bergbachs, der mal vor sich hinplätscherte und mal in die Tiefe stürzte. Hier und da hielten wir an und nahmen einen Schluck des köstlich, kalten Gebirgswassers. Es hatte zur Abwechslung auch mal was schönes, so ganz ohne Gepäck unterwegs zu sein.
Wir kamen an mehreren natürlichen Aussichtsplattformen vorbei, leider sahen wir nur einige Meter weit, da wir fast seit Anfang an in einer Wolke liefen. Von Fernsicht kann man also nicht sprechen, aber Infotafeln zeigten uns den Blick bei schönem Wetter.

Bergbach unterhalb der Trollkirka

Nach einer guten Stunde standen wir vor dem Portal der Trollkirka: Wir wappneten uns mit Mütze und Stirnlampe, denn in der Höhle sollte es noch etwas nasser und kühler sein also draußen. Der Weg zu ersten Höhle war eine bunte Mischung aus Bergsteigen, Bouldern, Kriechen und über Wasserstellen springen. Wir folgten den teils nassen, teils einfach nur kühlen Felswänden und hatten mal mehr mal weniger Platz über unseren Köpfen. Recht schnell erreichten wir die erste Höhle – den Fuß des Wasserfalls.
Unserer Meinung nach war allgemein etwas viel Wasser vorhanden, sodass wir die Gänge zur 2. und 3. Höhle nicht wirklich fanden (ein Bild im Tal bestätigte unsere These: hier konnte bereits die erste Höhle deutlich weiter betreten werden). Wir wollten also nichts riskieren und genossen daher diese eine Höhle. Auf dem Weg zurück schauten wir uns noch den ein oder anderen Seitenarm an, aber nie soweit, dass wir den Hauptgang nicht mehr sahen.

Glücklich, doch in diesem eher mäßigem Wetter aufgestiegen zu sein, machten wir uns auf den Weg nach unten. Trotz der nassen Steine und dem matschigen Untergrund kamen wir gut voran, und waren nach insgesamt knapp 2 Stunden wieder zurück am Parkplatz. Müsli wartete schon freudig auf uns und begrüßte uns mit einigem Gewedel.
Eigentlich hatten wir gehofft, einige zur Kirche pilgernde Trolle zu entdecken, leider begegneten uns aber auf dem Hin- und Rückweg nur weiße, fellige und bekannt aussehende Wesen, die wir vermutlich gemeinhin nicht als eine Troll-Sichtung verkaufen können..

“Trolle” auf dem Weg zur Trollkirka

Abschleppaktion, die zweite

Von unserem windigen Parkplatz südlich der Atlantikstraße fuhren wir abends wieder nach Kristiansund. Konstantin wird am nächsten Tag Zac (der junge Mann mit den Vikingerschiff, den wir vor einigen Tagen kennen gelernt haben) auf seiner ersten Etappe gen Bergen begleiten. Die Winde sollen gut sein und nachmittags soll es auch aufhören, zu regnen. Morgens um 8 Uhr brachen die beiden auf – davor ging noch kaum Wind und es schüttete.

Vikingerschiff (Mitte)

Müsli und ich verbrachten den Tag in der trockenen und warmen Lotte. Am späten Nachmittag machten wir uns dann auf nach Bud. Dort sollten die beiden heute Abend ankommen. Mit der Lotte hätte Zac zumindest am ersten Abend nochmal die Möglichkeit etwas Wärme zu tanken.
Doch daraus sollte nichts werden.. Nach so 20km (zum Glück auf freier Strecke zwischen dem langen Tunnel und der Atlantikstraße) hörte ich im Motorraum ein Klopfen, als würden Steinchen gegen Metall spritzen. Dieses Klopfen wurde innerhalb kürzester Zeit lauter und stärker, als würde ich mit 80km/h über einen Feldweg rasen. Kurz danach leuchtete das Batteriesymbol rot auf. Mir wurde keine Drehzahl mehr angezeigt und die Servolenkung viel aus. In etwa 100m sah ich einen Supermarkt kommen. Bis dahin MUSS Lotte noch durchhalten – die Straßen Norwegens sind recht schmal, um kurz mal rechts ran zu fahren. Außerdem ist “rechts ran” auch meist ziemlich abschüssig, nachher werfe ich unser WoMo noch um.
Ich kürzte durch eine Busspur ab und kam schließlich auf dem Parkplatz an und stellte ab. Ein Blick in den Motorraum zeigte, dass zumindest nicht qualmte und auch sonst (von oben) keine offensichtlichen Teile fehlten oder Fetzen weghängten. Lediglich die Rolle, um die eigentlich ein Keilriemen verlaufen sollte, schaute mir leer entgegen.

Nach und nach informierte ich Konstantin, der selbst ohne in den Motorraum zu sehen, den Keilriemen identifizierte, und den ADAC. Ersterer kam einige Zeit später tatsächlich in Bud an und organisierte sich dann einen freundlichen Norweger, der ihn mit nehmen und zur Lotte bringen würde. Zweiterer rief mich nach einigen Minuten zurück und wollte noch weitere Infos zu mir, dem Auto, der Panne und meinem Ort wissen. Etwa eine weitere Stunde später wurde ich vom ansässigen Abschleppunternehmen kontaktiert, eine Stunde später kam der Abschleppwagen. Konstantin erreichte uns etwa 20min vorher. Zumindest lief dieses Zeitmanagement. Wir entschieden uns dafür, nach Kristiansund zurück zu einer VW-Werkstatt geschleppt zu werden. Anders als das letzte Mal in Deutschland wurden wir Huckpack auf den Laster genommen. Los ging’s!
In Kristiansund angekommen, klarte es noch etwas mehr auf und wir konnten immerhin noch einen hübschen Sonnenuntergang über Kristiansund erleben.

Sonnenuntergang über Kristiansund

Am nächsten Morgen bekamen wir von der Werkstatt unseren Verdacht bestätigt, die mit einem ähnlich kritischen Blick den Motorraum begutachteten wie wir am Tag zuvor. Leider wäre in der Werkstatt aber so viel zu tun, dass wir im Besten Falle nachmittags dran kämen, aber das konnte uns natürlich nicht versprochen werden. Abgesehen davon könnten die Teile (unsere Lotte möchte gerne zwei Keilriemen, wovon einer sehr schwer zu beschaffen ist) frühestens auf Montag bestellt werden. Jedoch bekamen wir Tipps, welche Läden besagte Keilriemen eventuell vorrätig hätten. Dann könnten wir es entweder selbst versuchen und auf Werkzeug zurückgreifen, oder mit dem Material auf den Nachmittag warten und hoffen, dass die Werkstatt Zeit findet. So oder so machten wir uns auf den Weg, schließlich wollten wir eigentlich heute sowieso wandern..
Beim ersten Laden hatten wir Pech, bereits der zweite war eine Goldgrube. Jedoch hatte er nur einen der beiden Keilriemen genau, der zweite war einige Millimeter zu kurz. Wir wollten es versuchen.

Natürlich regnete es heute wieder den ganzen Tag, sodass wir Müsli dicke Kuscheldecke opferten, damit Konstantin nicht komplett durchnässt. Dieser Plan klappte auch die ersten paar Minuten…
Auseinander gebaut waren die Sachen recht zügig, aber der kurze Keilriemen wollte und wollte nicht über die Rollen. Also wurde zunächst nur der große eingebaut und wir versuchten in den restlichen vorgeschlagenen Läden unser Glück. Im vierten Laden gab es einen der einige Millimeter zu groß war, aber auch dieser war ein Versuch wert. Und es klappte!
Recht schnell war auch dieser Keilriemen verbaut und konnte relativ gut gespannt werden. Vielleicht war diese Lösung nicht die dauerhafteste, aber sie funktionierte definitiv. Ein Start des Motors bestätigte unsere Arbeit. Wir packten zusammen, hängten unsere durchnässten Sachen im Bad auf und drehten die Heizung auf. Recht schnell wurden wir wieder warm.

Reparatur der Keilriemen bei Regen

Nach einer Stärkung versuchten wir unser Glück und fuhren wieder los. Vielleicht schafften wir es heute Richtung Bud. Konstantin hatte durch seine Mitfahrgelegenheit am Tag davor einen Wandertipp bekommen, den wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten.
Der Motor klang wieder rund, kein Klappern oder Schlagen, keine Leuchten, die Lenkung funktionierte. Unsere Reparatur war erfolgreich – und das so ganz ohne wesentliche Hilfe der VW-Mechaniker. So alte Motoren haben doch auch was gutes.. 😉