Wind, Wind, Wind und noch mehr Wind

Als es hell wurde, wachte Müsli wie gewöhnlich auf und wollte vor die Türe gebracht werden. Im Halbschlaf wurde dies erledigt, daher fiel auch erst angezogen und die Türklinke in der Hand auf, dass es erst kurz nach 5 Uhr war – dabei fühlte es sich vom Stand der Sonne her wie 8 Uhr an.
Kurz darauf fing es an zu tröpfeln, hatte der Wetterdienst also doch mal Recht. Das Bett war noch warm, also schliefen wir noch eine Runde.
Als es Müsli dann vormittags ein weiteres Mal nach draußen zog, erkundeten wir die Gegend nochmal ein bisschen – heute in die andere Richtung wie gestern.

Danach brachen wir nach Öland auf. Auf der Fahrt konnten wir zunächst die Ölandbrücke von der Seite sowie deren Überfahrt bestaunen. Auf Öland selbst fielen uns (wie versprochen) die vielen Holz-Windmühlen auf, und vor allem aber auch der Wind, der das Fahren mit einem solchem Kasten, wie es die Lotte ist, tatsächlich etwas ungemütlich macht. Wir wollten zum südlichsten Punkt Ölands, dem Leuchtturm Långe Jan. Der Weg dorthin führte durch ein Naturreservat, in dem Schafe und Kühe frei weiden konnten.
Als wir beim Leuchtturm ausstiegen, lernten wir, was Wind heißt. Müsli wollten wir ohne Leine nicht nach draußen lassen, so konnte sie uns zumindest nicht weggeweht werden 😉

Da wir noch unternehmungslustig waren, fuhren wir an der Ostküste Ölands wieder Richtung Norden. Unterwegs kamen wir erneut an zahlreichen Windmühlen vorbei – eine Wikipedia-Recherche nach der Fahrt ergab, dass von den ehemaligen 2000 Mühlen noch etwa 400 erhalten sind. Diese waren früher eine Art Statussymbol der Bauern der überwiegend landwirtschaftlich geprägten Insel und dienten eigentlich nur dem „Hausgebrauch“. Auf eine Mühle kamen zu Spitzenzeiten somit etwa 10-20 Leute.
Auf der Fahrt konnte man außerdem auch nicht wirklich zwischen Dörfern und überwiegend landwirtschaftlichen Flächen unterscheiden: Die Siedlungen fingen nicht konkret an und endeten gerade so wenig. Lediglich Kirchen und Friedhöfe alle paar Kilometer deuteten auf ein Zentrum der Gemeinden hin.

Einen Stellplatz haben wir dann am späten Nachmittag östlich von Bredsättra gefunden. Wir standen nur wenige 100m vom Meer und historischen Überbleibseln entfernt. Die Infotafeln bei den Hütten erklärten uns die Bedeutung dieses Platzes für die Menschen aus dem Mittelalter: Hier war ein zentraler Umschlagsplatz, der vor allem den Warenaustausch nach Russland vorantrieb. Um den in fremden Ländern eigentlich rechtlosen Kaufmännern einen Schutz vor Räubern und ähnlichem zu bieten, wurde die St. Brita Kirche errichtet, in der gleichzeitig auch Waren eingelagert werden konnten. Durch die Übernahme der norddeutschen Hanse blieb von diesem Hafen leider nur noch der saisonale örtliche Fischhandel übrig.

Eigentlich hofften wir, dass die Ostküste Ölands windstiller war, da unsere Lotte im Süden beim Leuchtturm doch schon ordentlich durchgeschüttelt worden ist. Hier hätten wir nicht schlafen wollen. Doch mit zunehmender Abendstunde nahmen auch hier die Böen zu, jedoch bei weitem nicht so stark wie im Süden. Es ließ sich also durchaus noch aushalten.

3 Antworten auf „Wind, Wind, Wind und noch mehr Wind“

  1. Großes Kompliment für Eure/Kathrin’s tollen, frischen Berichtsstil, mit dem Ihr uns an Eurer Reise teilhaben lasst. Bin gespannt auf Euer nächstes Erlebnis. LG aus dem trüben Schwabenländle.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.