Kleine Kreuzfahrt auf dem Lysefjord

Eigentlich wollten wir am Sonntag zuerst im Regen einige Kilometer abspulen und dann, wenn es nachmittags aufreißen würde, auf den Kjerag am Lysefjord wandern. Dort ist eine Felskugel seit vielen, vielen Jahren zwischen zwei Felsen eingeklemmt und thront von dort über dem Fjord. Man solle nicht nur einen wunderbaren Blick über das Tal und die Berge haben, sicherlich ist es auch eine gewisse Herausforderung und ein Nervenkitzel sich auf diesen Felsbrocken zu stellen, wenn es darunter mehrere hundert Meter ins Nichts und früher oder später in den Fjord geht. Die Wanderung dorthin ist als, verglichen mit der zur Trolltunga am Hardangerfjord, technisch einfach beschrieben worden. Jedoch ziehen sich wohl Strecke und Höhenmeter zum Kjeragbolten, wie der Felsbrocken heißt, doch relativ, sodass man zwischen 4 und 6 Stunden einkalkulieren müsste. Für uns sollte es also an einem Nachmittag schaffbar sein, selbst mit Müsli und bei nicht optimalen Wetterbedingungen, denn Müsli können wir einfach in den Rucksack nehmen, wenn es zu viel wird oder zu gefährlich und wir waren ja inzwischen bestens ausgestattet und hatten auch schon die ein oder andere alpine Wanderung hinter uns. Wir dachten zumindest, dass alles so klappen würde…

Als wir nach 4 Stunden anstrengender Fahrt kurz nach dem Mittag über enge und sehr enge Straßen auf den Hochebenen zwischen Vestland und Rogaland ankamen (es klarte tatsächlich nach und nach auf), freuten wir uns auf die Wanderung. Endlich raus, den Kopf etwas frei bekommen und vielleicht auch ein bisschen die Seele aus dem Leib laufen, nachdem wir so lange saßen.
Doch es sollte anders kommen: Der Parkplatz war mit einem Einweiser ausgestattet, der uns freundlich empfing und uns darauf hinwies, dass es vermutlich zu spät für unseren Aufbruch kein könnte. Er würde uns empfehlen, morgen vormittags nochmals zu kommen. Dann würden sich die 300 NOK (ca. 30 EUR) Parkgebühren auch besser lohnen.

Irgendwie waren wir beide in dem Moment etwas neben uns, weil keiner von uns wirklich widersprach.. Wir überlegten nicht mal kurz, sondern stimmten ihm mehr oder weniger zu und fuhren ins Tal. Unten angekommen, sahen wir, dass es hier nicht wirklich Plätze für eine Nacht gab. Auch die Fähre (neben der Straße, auf der wir gekommen waren, die einzige Möglichkeit wieder aus dem Tal herauszufahren), musste vorreserviert werden und fuhr nur 2 mal am Tag. Bereits jetzt, wo der Himmel immer blauer wurde, ärgerten wir uns, dass wir nicht stur geblieben sind, und die Wanderung unternommen hatten. Tatsächlich würden wir Lotte nicht nochmals die vielen Höhenmeter nach oben und nach unten quälen wollen. Der Kjeragbolten sollte also nicht heute und auch nicht morgen von uns besucht werden. Stattdessen spazierten wir noch etwas um den Ort Lysebotn herum, wobei wir allerdings fast ständig Blick auf das Restaurant am Kjeragbolten-Parkplatz hatten.

Abends organisierten wir uns also einen letzten Platz auf der Nachmittagsfähre, die uns eine knappe halbe Stunde lang an den nächsten Ort am Fjord bringen würde, von dem aus wir wieder weiterfahren können. Tatsächlich regnete es auch den gesamten Montag lang bis am späten Nachmittag die Fähre kam. Innerhalb weniger Minuten klarte es auf und wir konnten zumindest vom Fjord aus besagten Felsbrocken erspähen. Auch den leider weitaus weniger bekannten Felsvorsprung daneben, der vom Berg aussieht wie der Kopf eines Adlers („Eagle’s Head“) konnten wir sehen. So hatte sich diese vergleichsweise teure Fähre doch noch richtig gelohnt.

Der nächste Morgen begrüßte uns in Sognesand, wo wir direkt am Fähranleger stehen blieben mit einem wunderschönen Sonnenaufgang hinter den Bergen, der die leichten Wolken am Himmel in dunkles rot tauchte. Da für heute gutes Wetter gemeldet war, wollten wir abends nochmals zu einer Wanderung aufbrechen. Wir fuhren daher direkt am Morgen ein kleines Stück, sodass es nachmittags nicht mehr so weit sein sollte.

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