600 Meter nichts: Der Preikestolen

Neben der Trolltunga und dem Kjeragbolten wollten wir unbedingt auf den Preikestolen, eine Felsplattform, die etwa 600m über dem Fjord hinausragt. Außerdem liegt der Wanderparkplatz nur etwa 2 Wanderstunden entfernt und lediglich 300hm tiefer. Dieses Mal sollte also alles klappen. Zumindest hatten wir uns fest vorgenommen, dieses Mal so lange zu diskutieren bis wir los laufen dürfen.
Wir hatten uns einen Tag herausgesucht, an dem es am Nachmittag aufhören sollte zu regnen und gegen Abend sogar die Sonne scheinen sollte. Unseren Arbeitsparkplatz bei Jørpeland verließen wir bereits nachmittags als es lichter wurde am Himmel. Wenig später erreichten wir den Parkplatz auf halber Höhe des „Predigtstuhls“, wie die Felsformation übersetzt heißt. Schnell in die Wanderhose geschlüpft und die Trekkingschuhe angezogen, etwas Wasser und einen Napf für Müsli eingepackt und schon ging es los.

Tatsächlich war ich auf den Weg mindestens genauso gespannt wie auf die schroff abfallende Felskante über dem Fjord. Vor einigen Jahren waren Freunde von mir schon dort und sie berichteten, dass man am Ende ein gutes Stück an der Felskante auf den Preikestolen zu lief. In der Tat war das mit unter der beeindruckenste Abschnitt des Weges, auch wenn ich mir diesen länger vorgestellt habe. Dennoch erhielt man erst hier auf den letzten 100m den Eindruck so richtig im Berg zu sein. Der Weg wurde 2013/2014 von nepalesischen Sherpas touristenfreundlich angelegt: Über drei große Anstiege, die aus den Felsbrocken treppenartig gestaltet worden sind, überwand man nach und nach die Höhenmeter. Der Pfad, teilweise sogar mit wunderhübschen, modernen Holzbrücken versehen, konnte kaum verfehlt werden. Nicht zuletzt wegen der einfachen Begehbarkeit zählt der Preikestolen wohl zu den meist besuchten Naturplätzen Norwegens.

Als wir aber recht bald an der Felskante ankamen, sahen wir, dass sich neben den guten Pfaden auch die Plattform und der Ausblick über den Lysefjord selbst definitiv jeden Schritt wert waren. Auch wenn ich mir im Tal noch nicht sicher war, ob ich mich bis ganz vor an die Kante trauen würde, musste ich nun doch einfach hinab schauen. Und als ob der Blick nach unten nicht schon atemberaubend genug wäre, verstärkten die Winde, die an der nahezu senkrechten Wand empor stiegen, das Gefühl der Ausgesetztheit nochmals um ein Vielfaches. Müsli sah zwar selbst nicht nach unten, aber es schien als würde sie wissen, dass es dort mehrere hundert Meter, 600 m um genau zu sein, ins Nichts ginge. Sie ließ sich auch nicht ganz so für diese Felsformation begeistern wie wir. Naja.. 😉

Für einige Minuten hatten wir den Preikestolen mit seinem ganzen Ausmaß für uns alleine. Wir spürten den Wind, das flaue Gefühl im Magen, wenn wir an die Kante traten, aber auch die Glücksgefühle hier heroben zu stehen und den Blick schweifen zu lassen, während die Sonne langsam hinter der Felskante verschwand.
Als wir uns wieder an den Abstieg machten, sahen wir die Sonne weiter Richtung Horizont wandern und schließlich gänzlich hinter den Wolken im Meer verschwinden. So kamen wir in der Dämmerung wieder am Parkplatz an. Müsli hatte inzwischen die angenehmere Variante des Tragens gewählt und schlüpfte direkt auf ihr Plätzchen in der Lotte.

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