Anglerglück

Der Morgen begann etwas zunächst sehr langsam: Die grauen Wolken und das leichte Prasseln des Regens wollten uns nicht so richtig wach bekommen. Irgendwann schälten wir uns doch aus dem Bett – unsere Arbeit wollte ja schließlich auch gemacht werden. Da es bei Konstantin erst später Termine anstanden, wollte er sein Anglerglück nochmals versuchen.

Nach einiger Zeit kam er angerannt: Und tatsächlich hat sich offenbar ein eher größeres Barschexemplar für seine Regenwürmer interessiert. Da die Aufregung, doch noch so schnell und unerfahren einen Fisch zu fangen, recht groß war, rang er mit sich, ob das wirklich unser Abendessen werden würde oder ob er doch wieder zurück in den See darf. Nachdem wir uns den Barsch alle zusammen angesehen hatten, ließen wir ihn frei, weil auch keiner so recht wusste, wie der Weg zum Teller aussah.

Um die Mittagszeit wollten wir eigentlich weiter Richtung Westen aufbrechen. Doch als wir dann zu viert vor dem Sommerhäuschen saßen, Kaffee, Kekse und andere Süßigkeiten als Mittagessen verspeisten, die Sonne anfing durch die Wolken zu scheinen und wir wieder schöne Gespräche geführt haben, entschieden wir uns um: Einen letzten Abend wollten wir noch hier verbringen.

Nachdem wir unsere Arbeit erledigt hatten, fuhren Konstantin und ich nochmals mit dem Ruderboot auf den See hinaus. Wir wollten sehen, was am anderen Ende kommen würde und ob wir es überhaupt so weit schafften.
Die Strecke sah auf der Karte deutlich weiter aus und bei der Stelle, bei der wir sonst immer umkehrten, hatte man eigentlich schon das meiste geschafft. Auf dem Weg zum Nordufer kamen wir an drei, vier sehr hübschen Häuschen, einigen Anlegestellen (manchmal sogar mit kleiner Hütte) und natürlich sehr viel Natur vorbei.

Angestachelt vom Erfolg heute morgen – und inzwischen seelisch und theoretisch darauf vorbereitet, was es zu tun galt – wollte Konstantin nochmals angeln. Und auch dieses Mal hatte er relativ schnell Glück. Allerdings war ihm dieses Fischchen wohl eher zu klein: Zu viert würde man daran nicht statt werden, und so bekam er auch wieder die Freiheit zurück.

Den Abend verbrachten wir zuerst am Steg und genossen die vielen Farben, die der Sonnenuntergang bereitete. Als uns kalt wurde, zogen wir uns vor den Kamin des Häuschens zurück.
Morgen sollte es dann aber definitiv wieder weitergehen.

Eine Angel, zwei Männer und ein Fisch?

Erneut wachten wir bei eher tristen Wetter auf. Aber auch heute musste noch einiges weggearbeitet werden, daher waren wir gar nicht zu sehr enttäuscht. Den Vormittagregen nutzten wir dann auch dementsprechend vor unseren PCs. Die Mittagspause wurde eher kurz gehalten, da der Wetterbericht für den Nachmittag und die Abendstunden besseres Wetter versprach und wir dann diese Zeit für eine Rudertour oder einen Spaziergang nutzen wollten. Wir genossen immer noch die Gastfreundschaft von Lenia und Felix, daher veranstalteten wir am frühen Nachmittag erstmal Kaffee und Kuchen mit original schwedischem „Tigerkaka“ (Marmorkuchen), während im Hintergrund das Feuer im Kamin vor sich hin brannte.

Bei unseren Geprächen kamen wir (oder vor allem Felix und Konstantin) darauf, dass man eigentlich mal die Angel testen müsste, die hier an der Eingangstüre lehnte. Nach ein paar Youtube-Videos waren wir sozusagen Vollprofis und los ging es.
Zuerst mit einigen Trockenübungen von der Terrasse aus. Dann wollten wir einige Meter auf die stürmische See hinaus fahren, um das wirklich harte Fischerleben kennen zu lernen.
Da es uns dort zu schnell zu windig war und es auch wieder zu regnen begonn, zogen wir uns auf den Steg, an dem das Boot vertaut wird, zurück.
Als Köder benutzten wir – äußerst fachmännisch – Hundefutter, Mais und Brot. Vor allem das Brot scheint zu schmecken, aber irgendwie biss niemand so richtig an. Wir holten uns Hilfe von einem Freund aus Deutschland. Sein heißer Tipp: Regenwürmer oder Maden..
Aber offensichtlich hatten wir bereits mit zu viel Brot angefüttert, als dass nun noch ein Fisch Interesse oder Hunger hätte.

Wir entschieden uns daher, dass es zum Abendessen keinen Fisch geben sollte und grillten. Nachdem wir mehr als gesättigt waren und plötzlich alle müde wurden, aber um 20 Uhr noch nicht ins Bett wollten, machten wir uns zu einem Abendspaziergang durch den anschließenden Wald auf. Als wir wieder zurück waren, waren wir wieder wacher und hatten Lust auf eine erneute Tour mit dem Ruderboot.
Der See war inzwischen wieder viel ruhiger, es ging kaum Wind und das Wasser war komplett glatt. Im Boot genossen wir die ruhige Atmosphäre so sehr, dass wir ganz vergaßen, wie spät es inzwischen geworden ist. Trotz Wolken, die den Mond verdeckten, war es für uns selbst um 23 Uhr noch sehr hell.

Vom Kanu zum Kahn

Der wolkenverhangene Himmel verhieß nichts Gutes heute morgen, aber bisher hatten wir ja auch unverschämt viel Glück mit dem Wetter. Außerdem wollten wir heute wieder ähnlich viel wegarbeiten wie am Tag zuvor. Da wir hier gestern so herzlich und offen empfangen wurden, beschlossen wir, noch ein, zwei Tage zu bleiben.

Nach dem Frühstück ging es zuerst mit den beiden Sommerhäuschenbewohnern Richtung See, um eine Bootstour über diesen zu unternehmen. Da es ja seither geregnet hatte, schaufelten wir zunächst einige Eimer Wasser aus dem Boot, ehe wir es einigermaßen trockenen Fußes begehen konnten.
Zunächst ruderte Konstantin ein bisschen alleine, dann unterstütze ich ihn. Nachdem wir einige Meter eher im Zickzack über den See ruderten, fielen wir doch recht schnell in einen gleichmäßigen Trott und gleiteten zeitweise recht zügig und vergleichsweise lautlos dahin. Müsli hatte das Boot auch recht schnell erkundet und festgestellt, dass sie auch bei anderen Menschen gestreichelt wird – wir waren offensichtlich beinahe vergessen 😉

Wir vier bzw. fünf hofften darauf, einen Elch zu sehen. Einige Male waren wir daher komplett still und ließen uns treiben. Doch wir hatten leider keinen Erfolg..
Dennoch genossen wir diese ruhige, einsame und doch abwechslungsreiche Atmosphäre, die der bis auf unsere Ruderzüge glatte See ausstrahlte.

Kurz nach unserem Wendemanöver – wir hatten bei Weitem noch nicht das Ende des Sees erreicht – wollte ich auch ausprobieren, wie es sich alleine ruderte. Dabei brauchte ich definitiv mehr Übung, als wenn ich mich nur um ein Ruder kümmern muss. Daher wurde ich nach kurzer Zeit unterstützt, und mit doppelter Frauenpower ging es dann zurück zur Anlegestelle, wo wir durch unsere beiden Lotsen anlegten wie aus dem Lehrbuch (so dachten wir zumindest alle).

Nun hieß es erstmal wieder arbeiten. Nach dem Mittag unternahmen wir aber nochmals zu viert eine kleine Wanderung durch die Wälder der Umgebung, erneut in der großen Hoffnung einen Elch zu sehen. Vermutlich schreckte aber Müsli alle Tiere ab.
Unterwegs kamen wir an vielen schönen Stellen vorbei. Besonders in Erinnerung geblieben ist mit der Fluss, über den eine einfache Holzbrücke spannte und an dessen Ufer hübsche, kleine rote Vogelhäuschen hingen.
Auf dem Rückweg erhaschten wir dann doch noch einen Blick aus der Ferne auf Wild: Wir vermuteten ein Reh am Waldrand, für einen Elch war es doch noch deutlich zu klein. Aber immerhin.

Ein Haus am See

Nach dem Frühstück brachen wir Richtung Nordwesten auf und verließen die Ostküste Schwedens ein wenig. Auf der Fähre hatten wir ja gleich zwei neue Bekanntschaften geschlossen und von den beiden aus dem grünen Offroad-Camper sind wir eingeladen worden, uns zu ihnen bzw. zum Sommerhäuschen eines Freundes zu stellen. Falls wir mal wieder eine Dusche oder Waschmaschine benötigten. Da wir mit beidem seither gut durchgekommen sind, weil wir zum einen immer ausreichend Zugriff auf Frischwasser und zum anderen stets gutes Wetter hatten, sind wir letztendlich zu ihnen gefahren, weil wir sie näher kennen lernen wollten.

Morgens schien in Oskarshamn noch die Sonne. Da wir tagsüber einiges arbeiten „wollten“, fuhren wir zeitig los, um dann den Tag über direkt bei dem schicken rot-weißen Häuschen im Grünen (inklusive Anlegestelle und Boot am 50m entfernten See) zu stehen.
Nach und nach wurden die Wolken dichter und – wer hätte das noch für möglich gehalten – der Wetterbericht sollte recht behalten: Es fing an, zu regnen. Zum einen ideal für uns, da wir heute so oder so nicht viel draußen sein konnten, und zum anderen aber auch schade, dass wir diese Stimmung nicht am See für einige Zeit genießen konnten.
Aber das Prasseln des Regens auf das Dach der Lotte hatte auch etwas beruhigendes. Außerdem konnten wir dann nachmittags nach einigen Stunden mäßigem Landregen festhalten, dass unsere Abdichterei in der letzten Woche vor dem Aufbruch erfolgreich gewesen sein musste.

Da auch zwischenzeitlich kein Strom mehr aus unserer vielgenutzten 12V-Steckdose kam, die Batterie aber so gut wie voll war, ging Konstantin der Sache auf den Grund und reparierte kurzerhand ohne wesentliches Werkzeug (außer einem Schraubenziehen und dem altbewehrtem Küchenmesser) unsere Laptop-Lade-Anlaufstelle. Ja, auch solche arbeiten mussten spontan und unterwegs erledigt werden. Aber nichts hält ja bekanntlich so lange wie ein Provisorium 😉

Den Abend haben wir nach einem sehr verregneten und arbeitstechnisch anstrengenden Tag sehr gemütlich bei den beiden ausklingen lassen. Zum Essen gab es, typisch schwedisch, Lasagne.
Ich hatte gehofft, noch kurz den See aus nächster Nähe ansehen zu können, aber dafür ist ja wahrscheinlich auch noch morgen, bei besserem Wetter Zeit.

Die Schärenwelt um Oskarshamn

Der Sonnenschein und das Vogelgezwitscher weckten uns auf Öland. Nach dem Frühstück gingen wir mit Müsli nochmals zur ehemaligen Hafensiedlung hinaus. Es war im Vergleich zum Tag zuvor beinahe windstill und konnten sogar ohne Jacke die Ferne des Meeres genießen. Danach brachen wir wieder Richtung schwedisches Festland auf: Vorbei an Borgholm und Möllstorp ging es erneut über die gut 6km lange und abschnittsweise doch knapp 40m hohe Ölandbrücke nach Kalmar und von dort auf der E22 weiter nach Oskarshamn.

Etwa 1,5km südlich des Stadtzentrums von Oskarshamn fanden wir einen Stellplatz in Meeresnähe. Als wir uns das Gebiet im Laufe des Nachmittags genauer angesehen haben, haben wir noch weitere ähnlich hübsche Parkplätze entdeckt.
Nach einer ausgedehnten Mittagspause in und dank der überwiegenden Windstille auf dem Plätzchen zwischen den Bäumen auch vor der Lotte machten wir uns zu einer längeren Tour in die Umgebung und vor allem auch Oskarshamn auf.

Der Hafen für die kleineren Schiffe und (Segel-) Boote nur unweit von unserem Platz entfernt schloss sich an eine wunderschöne Schärenlandschaft an. Auch hier konnten wieder jede Menge Vögel und vor allem aber auch Schwäne beobachtet werden. Zu unserem Erstaunen gab es hier auch sogar einen Hundebadeplatz – den wollten wir natürlich später noch mit Müsli unsicher machen.
Ein weiteres Highlight war, dass man von hier die Insel Blå Jungfrun (Blaue Jundfrau) sehr gut erkennen kann. Diese Insel liegt zwischen dem Festland und der Nordspitze Ölands und ist seither unbewohnt.

Oskarshamn selbst hat einen ganz eigenen Charme im Vergleich zu den anderen Städtchen, die wir bisher in Schweden besucht haben. Da wir vom südlichen Rand in das Zentrum liefen, kamen wir zunächst an riesigen Hallen sowie dem Industrie- und Fährhafen vorbei. Oskarshamn verfügt über eine Fährverbindung nach Visby auf Gotland, die Ferieninsel der Schweden. Vom Hafen aus ist der Stadtkern auf einer kleinen Anhöhe zu finden. Besonders die schmalen Gässchen, die zu den wesentlichen Plätzen der Stadt führen, mit den bunten und schmucken Häuschen haben uns gefallen. Dabei ist uns vor allem auch aufgefallen, wie klein diese Häuser doch sind: Mehr als 50m² Grundfläche bei einem Geschoss und einem Dachgeschoss ist hier sicherlich eher eine Seltenheit.

Auch das Bahnhofsgebäude (Järnvägsstation) aus dem Jahre 1906, welches inzwischen unter Denkmalschutz steht, hat uns fasziniert. Auf der einen Seite ist neben der Funktion als Warteraum auch ein Restaurant zu erkennen und laut Wikipedia sind außerdem Wohnungen enthalten. Auf der rückwärtigen Seite liegt der Bahnhof, dessen drei Gleise nur wenige Meter mittig vor dem Gebäude enden. Der Bahnbetrieb ist seit 2011 wieder aufgenommen worden.

Den Abend konnten wir mit interessanten Gesprächen mit der Besatzung der Tigerente, die wir auf der Fähre nach Schweden kennen gelernt hatten, entspannt ausklingen lassen.

Wind, Wind, Wind und noch mehr Wind

Als es hell wurde, wachte Müsli wie gewöhnlich auf und wollte vor die Türe gebracht werden. Im Halbschlaf wurde dies erledigt, daher fiel auch erst angezogen und die Türklinke in der Hand auf, dass es erst kurz nach 5 Uhr war – dabei fühlte es sich vom Stand der Sonne her wie 8 Uhr an.
Kurz darauf fing es an zu tröpfeln, hatte der Wetterdienst also doch mal Recht. Das Bett war noch warm, also schliefen wir noch eine Runde.
Als es Müsli dann vormittags ein weiteres Mal nach draußen zog, erkundeten wir die Gegend nochmal ein bisschen – heute in die andere Richtung wie gestern.

Danach brachen wir nach Öland auf. Auf der Fahrt konnten wir zunächst die Ölandbrücke von der Seite sowie deren Überfahrt bestaunen. Auf Öland selbst fielen uns (wie versprochen) die vielen Holz-Windmühlen auf, und vor allem aber auch der Wind, der das Fahren mit einem solchem Kasten, wie es die Lotte ist, tatsächlich etwas ungemütlich macht. Wir wollten zum südlichsten Punkt Ölands, dem Leuchtturm Långe Jan. Der Weg dorthin führte durch ein Naturreservat, in dem Schafe und Kühe frei weiden konnten.
Als wir beim Leuchtturm ausstiegen, lernten wir, was Wind heißt. Müsli wollten wir ohne Leine nicht nach draußen lassen, so konnte sie uns zumindest nicht weggeweht werden 😉

Da wir noch unternehmungslustig waren, fuhren wir an der Ostküste Ölands wieder Richtung Norden. Unterwegs kamen wir erneut an zahlreichen Windmühlen vorbei – eine Wikipedia-Recherche nach der Fahrt ergab, dass von den ehemaligen 2000 Mühlen noch etwa 400 erhalten sind. Diese waren früher eine Art Statussymbol der Bauern der überwiegend landwirtschaftlich geprägten Insel und dienten eigentlich nur dem „Hausgebrauch“. Auf eine Mühle kamen zu Spitzenzeiten somit etwa 10-20 Leute.
Auf der Fahrt konnte man außerdem auch nicht wirklich zwischen Dörfern und überwiegend landwirtschaftlichen Flächen unterscheiden: Die Siedlungen fingen nicht konkret an und endeten gerade so wenig. Lediglich Kirchen und Friedhöfe alle paar Kilometer deuteten auf ein Zentrum der Gemeinden hin.

Einen Stellplatz haben wir dann am späten Nachmittag östlich von Bredsättra gefunden. Wir standen nur wenige 100m vom Meer und historischen Überbleibseln entfernt. Die Infotafeln bei den Hütten erklärten uns die Bedeutung dieses Platzes für die Menschen aus dem Mittelalter: Hier war ein zentraler Umschlagsplatz, der vor allem den Warenaustausch nach Russland vorantrieb. Um den in fremden Ländern eigentlich rechtlosen Kaufmännern einen Schutz vor Räubern und ähnlichem zu bieten, wurde die St. Brita Kirche errichtet, in der gleichzeitig auch Waren eingelagert werden konnten. Durch die Übernahme der norddeutschen Hanse blieb von diesem Hafen leider nur noch der saisonale örtliche Fischhandel übrig.

Eigentlich hofften wir, dass die Ostküste Ölands windstiller war, da unsere Lotte im Süden beim Leuchtturm doch schon ordentlich durchgeschüttelt worden ist. Hier hätten wir nicht schlafen wollen. Doch mit zunehmender Abendstunde nahmen auch hier die Böen zu, jedoch bei weitem nicht so stark wie im Süden. Es ließ sich also durchaus noch aushalten.

Ein stürmischer Boulder

Erneut sind wir – widererwartend zu den Vorhersagen des Wetterberichts – von der Sonne geweckt worden. Nach einem kurzen Frühstück und dem Auffüllen des Wassertanks brachen wir weiter Richtung Norden, in die Nähe von Kalmar auf. Wir hatten uns ein hoffentlich nettes Plätzchen bei einer Sportanlage herausgesucht. Leider konnten wir dort erstmal nicht stehen, aber ein Stück weiter fanden wir einen Parkplatz. Hier waren wir zwar nicht mehr direkt am Meer, aber durften dafür länger als acht Stunden stehen bleiben.

Zuerst machten wir eine kurze Begehung der Sportstätte. Zu Konstantins Freude gab es (unter anderem) Beachvolleyballfelder, die auch bespielt wurden, und zu meiner einen kleinen Boulderblock daneben. Müsli machten schon die Stöckchen, die es vor unserer Haustüre auf dem Parkplatz gab, glücklich.

Nach dem Mittagessen setzten wir uns eine Weile in die Sonne. Da wir leider nur auf der windzugewandten Seite Sonne hatten, wurde uns trotz Jacke recht schnell frisch. Wie können die Schweden bei solchen Temperaturen nur schon so sommerlich umherlaufen?! Wir sind da definitiv verfrorener..

Um uns aufzuwärmen, beschlossen wir, ein paar kurze Boulder zu klettern und einige Minuten den Beachvolleyballspielern auf der windstillen und sonnenverwöhnten Tribüne zu zu sehen. Dort konnte man es tatsächlich sehr gut aushalten.
Wir drehten noch eine kurze Hafenrunde, wobei es an den vordersten Stellen noch viel, viel windiger war als bei uns vor der Lotte. Einigen Enten- und Gänsefamilien schien dies jedoch herzlich wenig zu stören. Aber hier hatte der Nachwuchs auch noch dicke flauschige Federn, die sie mit Sicherheit schön warm hielten.

Helge å aus einer anderen Perspektive

Auf unserem Spaziergang durch Åhus vorgestern hat Konstantin relativ kurz angebunden einem fitten Ehepaar, das gerade Kanus in ihren Garten hievte, unsere Hilfe angeboten. Mindestens ebenso schnell kam das „Yes!“ zurück. Zwei Sekunden später hatten wir ein Kanu in der Hand und kamen während des Abladens ins Gespräch. Als wir fertig waren bot uns die Hausherrin an, ob wir nicht eine Runde drehen wollten. Wir hatten damit überhaupt nicht gerechnet und waren erstmal etwas überrumpelt – aber Interesse hatten wir natürlich sehr. Wir verblieben, dass wir uns das Angebot überlegen würden und dann einfach nochmals vorbei kommen würden.

So kam es, dass wir am nächsten Tag nach einem späten Frühstück (und langem Überlegen, wie wir zu diesem Angebot kamen und ob es tatsächlich so ernst gemeint war, dass wir niemandem auf die Nerven gehen würden) wieder zu diesem schönen Haus am Fluss Helge å gingen, um zusammen mit Müsli unsere erste Kanufahrt zu unternehmen. Da seine Frau arbeiten musste, stattete uns der Ehemann mit Schwimmwesten, Paddel und Kanu aus.
Schneller als uns lieb war, saßen wir in dem Kahn – ohne endgültigen Plan, wie wir später wieder anlegen und herauskommen sollten. Er wäre später vermutlich nicht mehr da, wir sollten die Sachen an das Gartenhäuschen legen. Wir haben noch den Hinweis bekommen, das wir nach links fahren sollten, rechts käme das Meer..
Aber dann ging es auch schon los: Relativ schnell hatten wir den Dreh bzw. den Ruderschwung raus, sodass wir einigermaßen gerade aus fuhren oder zumindest rechtzeitig die Kurve bekamen. Auch die Lücken zwischen den Pfeilern der ersten Brücke haben wir getroffen. Vorbei ging es an wunderschönen Gärten mit hübschen Häusern bis wir die Stadt größtenteils hinter uns ließen und sehr viel Natur genießen konnten.

Nach eine knappen halben Stunde setzten wir zum Wendemanöver an. Da der Fluss eigentlich keine Strömung hatte, mussten wir fast dieselbe Zeit auch zurück (flussabwärts) rechnen. Anfangs hatten wir auch etwas Sorge, dass Müsli ein Bad nehmen möchte und uns damit ebenfalls zum Kentern bringen würde, aber sie entspannte sich sehr schnell und nahm eher ein Sonnenbad als ein Wasserbad. Auf jeden Fall hat dieser kleine besondere und einmalige Ausflug sehr viel Spaß gemacht, weshalb wir uns natürlich nochmals bei den beiden Kanubesitzern bedanken möchten!

Wenig später fuhren wir weiter in den Nordosten nach Karlskrona. Dort sollte es eine Servicestation für Camper geben (Strom, Wasser, Entsorgung). Da unser Wasser tatsächlich langsam knapp wurde, bot sich dieser kostenlose (!) Stellplatz ideal an. Zu all diesen Aspekten kam dann noch dazu, dass wir diese Nacht direkt am Meer bzw. an den Anlegestellen für kleinere Boote stehen würden.
Da wir mitbekommen haben, dass die Stadt wohl schön sein sollte, machten wir uns auf Erkundungstour. Im Nachhinein waren wir jedoch etwas „enttäuscht“, oder vielleicht auch inzwischen einfach nur verwöhnt – oder wir waren schlicht an den falschen Plätzen, doch bis auf den Hafenanlagen hat uns der Flair nicht so sehr gepackt.

Zurück bei Lotte konnten wir einen ruhigen und sonnigen Abend verbringen. Dabei fiel uns auf, dass es inzwischen wirklich lange hell ist. Um 22.00 Uhr machten wir erst so langsam das Licht an – wir sind gespannt, wie sich das (subjektiv für uns) bei noch nördlicheren Breitengraden entwickeln würde.

Große Schwäne und kleine Gässchen

Morgens hat uns die Sonne an den Köpfen wach gekitzelt. Als wir aufwachten, war strahlend blauer Himmel über dem durch eine leichte Brise aufgebauschtem Meer. Da Konstantin Müsli kurz nach draußen brachte, beschloss ich ans Meer zu laufen, um dort einige Minuten in meinen Gedanken zu versinken. Irgendwann flog ein Schwanenpärchen über mich hinweg. Dabei fragte ich mich, warum Schwäne während des Flugs die ganze Zeit schrien oder ob das Geräusch etwa durch den Flügelschlag entsteht. Google konnte mir weiterhelfen: Tatsächlich erzeugt die durch die Feder strömende Luft eine Art Pfeifen, was in meinen Ohren sehr rhythmisch die Bewegungen dieser großen Vögel unterstreicht.

Um die Mittagszeit brachen wir Richtung Norden auf. Unser Ziel sollte Åhus sein. Wir kamen dabei durch Simrishamn, dessen Innenstadt und auch die wesentliche Durchfahrtsstraße gepflastert war. Wie für schwedische Ortschaften üblich durfte man nur 40km/h fahren, schneller wollten wir der Lotte und unserer Einrichtung sowieso nicht zumuten, auch wenn die gepflasterten Wege ihren Charme hatten. Leider ging die Straße auch nach dem Ortschild noch so weiter – den Fahrern hinter uns zum Ärger fuhren wir weiterhin 40km/h. Da direkt hinter uns ebenfalls ein Wohnmobil fuhr, viel das aber auch nicht besonders auf. Zum Glück begann bald wieder eine asphaltierte Straße.

In Åhus angekommen wollten wir uns die Umgebung ansehen. Wir standen mit Lotte am Rande eines Naturreservats deutlich außerhalb der Stadt. Trotzdem liefen wir nochmal durch den Wald nach Åhus zurück, um die schöne Altstadt mit den kleinen Gässchen und den typisch schwedischen Häuschen zu sehen. Besonders auch die sehr noblen Häuser mit den schicken Gärten und Anschluss an den Fluss Helge å haben uns gefallen.

Abends schauten wir uns noch das Reservat in Richtung Küste an. Wir wunderten uns schon den Nachmittag über, warum so viele Menschen mit sehr mächtigen Kameras Richtung Strand gingen. Nun wussten wir es: Der Küstenlinie vorgelagert war ein sumpfiges Gebiet mit einem See, das verschiedenste Vögel zum Brüten nutzten.

Ein Tag Meer

Nach den doch eher stressigen ersten Tagen in Schweden und dem wunderschönen Platz im Wald aber doch am Meer haben wir uns dazu entschieden heute einmal „Pause“ zu machen. Ein weiterer Grund mag sein, dass wir beide wieder mal ein bisschen was arbeiten müssen – blieb doch einiges liegen in der letzten Woche – und dass hier ziemlich coole Nachbarn (aus Deutschland, wie kann es anders sein) stehen. Für Müsli ergibt sich mit Kalle ein super Spielkamerad und wir haben mit seinem Herrchen ebenfalls sehr angenehme Gesellschaft gefunden.

Tagsüber ist uns wieder einmal gezeigt worden, dass die Schweden in Sachen Bildung und Pädagogik tatsächlich einige Lichtjahre über unserer Heimat stehen. Zuerst hörten wir nur lautes Kindergeschrei durch den Wald, einige Minuten später zeigte sich der Grund: Ein kompletter Kindergarten war mit drei ErzieherInnen auf dem Weg zum Strand. Dabei waren sie mit Lastenrädern ausgestattet, bei dem jedes so sechs Kinder transportieren konnte. Eigentlich eine ebenso einfache wie clevere Idee!
Zumal es für uns super süß aussah, die sichtlich Spaß habenden Kleinen mit ihren stylischen schwarzen Helmen und den Warnwesten in den „Kisten“ der Räder sitzen zu sehen.

Das herrliche Wetter konnten wir außerdem dazu nutzen, Wäsche zu waschen und diese bequem auf einer zwischen den Bäumen aufgespannten Leine trocknen zu lassen. Außerdem zeigten wir Müsli, wie sich Meerwasser anfühlte, und Kalle zeigte ihr, wie toll Stöckchen sind.

In Skillinge (ca. 1,5km von unserem Platz aus) gibt es einen kleinen Laden, sodass wir uns dort essenstechnisch nochmals eindecken konnten, um später zu grillen. Abends konnten wir dann auch einen schon länger gehegten Wunsch von Konstantin erfüllen: In Schweden am Meer mit mehr oder weniger frisch geschlagenem Holz ein Lagerfeuer machen. Selbstverständlich haben wir das nur gemacht, weil an diesem Platz eine Feuerstelle vorgesehen ist.
Wie es in Schweden üblich ist, haben wir bereits einiges Holz neben der Feuerstelle gefunden, sodass wir dann nur noch weiteres aufsammeln mussten und für die nächsten bereit gelegt haben.

In den nächsten Tagen wollen wir weiter an der Ostküste Richtung Norden ziehen. Größere Ziele sind Karlskrona, vielleicht Öland und dann sicherlich früher oder später der Göta-Kanal und Stockholm.