Hauptstadtgefühle in Oslo (1/3)

Von unserem naturnahen Parkplatz an einem Stausee süd-westlich von Oslo brachen wir am Donnerstagabend noch auf, um nach Oslo zu fahren. Wir hatten einen Parkplatz gefunden, der relativ ruhig am Stadtrand in einem Wäldchen gelegen war. Hier durften wir 48h parken und mehr oder weniger gegenüber war ein ebenso großer Parkplatz, für den dasselbe galt. Somit bekämen wir in der Theorie 4 Tage Oslo ohne wesentliche Parkkosten hin. Die doch eher weite Distanz ins Stadtzentrum konnten wir durch die T-banen (Osloer U-Bahn) recht einfach abkürzen, denn die nächste Station lag nur etwa 10 Gehminuten entfernt. Mit dem Oslopass, den wir uns für 48h kauften, konnten wir jeglichen öffentlichen Nahverkehr in Oslo nutzen (Zone 1 und 2, wobei das gesamte T-banen-Netz noch Zone 1 abdeckt).

Als wir am Freitagmorgen aufwachten, kündigte sich ein wunderbarer sonniger, aber kühler Tag an. Unsere Stimmung trübte allerdings ein bisschen, dass pünktlich um 7 Uhr ein Stadtmitarbeiter an die Parkplätze fuhr und die Schilder dafür austauschte: Ab sofort gilt Parkverbot für Wohnmobile und Wohnanhänger zwischen 08:00 und 23:00 Uhr. Alle anderen Kfz dürfen weiterhin 48h stehen. Das wars dann also erstmal mit unserem tollen kostenlosen Parkplatz. Wir fragten uns, wann wohl die ersten Kontrollen kämen, und ob wir auch schon in den 48h verpflichtet wären, jeden Tag zu kontrollieren, ob sich die Parkregelungen ändern…
Letztendlich vertagten wir dieses Problem auf später und klemmten uns hinter unsere PCs.

Als der Feierabend dann um etwa 16 Uhr um die Ecke bog, machten wir uns mit Müsli auf in die Stadt. Tatsächlich hatten wir kein wesentliches Ziel, sodass wir an einer der zentralen Stationen ausstiegen und uns zu Fuß durch die Straßen der Fußgängerzone um die Karl Johans Gate treiben ließen. Dabei kamen wir unter anderem an der Osloer Domkirche vorbei und schlenderten über einen größeren Platz, auf dem höchsttraditionell ein Oktoberfest-Bierzelt aufgebaut war. Da fühlt man sich doch gleich „daheim“…

Osloer Domkirche

Unsere Füße führten uns weiter Richtung Hauptbahnhof, hinter dem unter anderem das Opernhaus der Stadt liegt. Auf das Dach dieses architektonisch einmaligen Gebäudes, dessen Fassade aus weißem Marmor hergestellt worden ist, kann man hinauf laufen. Besonders abends spiegelt sich der Sonnenuntergang in allen Farben in der riesigen Glasfassade des Eingangsportals. Und tatsächlich nutzen nicht nur Touris wie wir die letzten Sonnenstrahlen dort auf dem Dach, sondern auch einige Norweger trafen sich hier auf ein Feierabendbierchen.

Als die Sonne langsam aber sicher untergegangen war, wurde es sehr schnell noch kühler und wir zogen wieder Richtung Lotte. Es blieb ja schließlich nach wie vor die Frage zu klären, ob wir auf unserem Parkplatz noch eine Nacht stehen blieben oder doch lieber weiter zogen. Irgendwann dachten wir uns, naja, die werden schon nicht direkt in der ersten Nacht kontrollieren. Bleiben wir stehen..
Wenige Minuten später saßen wir dann aber doch in der Lotte und fuhren auf einen anderen Parkplatz am nördlichen Stadtrand…

Dort fanden wir dann tatsächlich doch auch einen Parkplatz, an dem keine Verbotsschilder angebracht waren. Auch wenn wir nun vermuteten, dass unser Weg in die Stadt etwas länger sein würde, oder wir tagsüber wieder auf einen der nachts gesperrten Parkplatz fahren müssten. Aber so konnten wir nun erst einmal beruhigt schlafen.

Zwischen Kristiansand und Oslo

Die Tage, nachdem wir Kristiansand verlassen haben, war sowohl für Konstantin als auch für mich sehr arbeitsreich. Wir waren zum einen gut mit unseren Aufgaben im „Büro“ beschäftigt und zum anderen mussten wir zusehen, dass wir unser Lotterleben hier im Süden von Norwegen am Laufen hielten. Irgendwie ging so langsam alles aus: Frischwasser, Diesel, Strom, Internet, Gas. Oder wurde voll: Abwassertank, Tanks der Toilette, Müll.

Freilich waren manche „Probleme“ schneller gelöst als andere. Tankstellen zum Beispiel haben hier in überwiegend die ganze Zeit geöffnet. Auch Ver- und Entsorgungsstationen fanden wir immer wieder mal, sodass auch Wasser (neu und alt), unsere Toilette und der Müll keine allzu großen Sorgen bereiteten. Mit dem Internet gingen wir dann eben sparsamer um und versuchten so viel wie möglich noch mit unserer deutschen SIM-Karte klar zu kommen, das sollte als auch klappen. Blieben noch Strom und Gas…

Tatsächlich hatten wir mit dem Wetter seit Kristiansand ziemlich viel Glück, sodass kaum Wolken am Himmel waren. Aber man muss zugeben: Es wird doch langsam Herbst bzw. Winter, die Sonne steht einfach nicht mehr so hoch am Himmel wie im Hochsommer, und wenn dann sicherlich nicht so lange. Dazu kam, dass wir wirklich einiges zu arbeiten hatten, und daher eigentlich immer einer der Laptops der Batterieladung zusetzte. Also fuhren wir auf einen Wohnmobilparkplatz an der E18 an, an dem es recht günstig Strom gab. Ein paar Tage würden wir damit wieder durchkommen, bis es Wochenende würde oder wir halt doch nochmals einen Stromnachschub auf dem Campingplatz nachholen müssten.

So richtig Sorgen machte uns aber das Gas. Denn ohne diesen Energieträger wäre es weder warm in der Lotte noch gäbe es warme Mahlzeiten. Beides bei ebenso klaren (und kalten) Nächten wie Tagen nicht sonderlich schön. Wir hatten ein paar Gashändler auf der Karte entdeckt, die wohl auch mit den deutschen Flaschen klar kämen, aber entweder waren wir um einige Minuten zu spät, weil das Meeting länger dauerte als gehofft, oder die Geschäften gab es einfach nicht mehr. Entweder wegen der Winterpause oder generell geschlossen. Doch dann fanden wir irgendwann einen Händler, der uns dann sogar beide Flaschen auffüllte, sodass wir nicht in wenigen Tagen wieder losziehen müssen. Wir waren inzwischen nur noch etwa 160km süd-westlich von Oslo. Aber immerhin würden wir auch zukünftig heizen und kochen können. Und so konnten wir auch den vorletzten stressigen Arbeitstag dieser Woche wieder einmal sehr abgelegen an einem alten Stausee verbringen. Man muss schon sagen, es arbeitet sich einfach besser, wenn man zum Gedankensortieren einfach kurz raus kann, an einem herbstlichen See entlang wandern und die Stille genießen kann.

Sonne über Kristiansand

Von Stavanger aus fuhren wir am Samstag und Sonntag mehr Richtung Süden an der Küste entlang. Unser erster Halt war in Egersund, wo wir auf eine warme Dusche am Hafen hofften. Diese hatte leider geschlossen, also gab es eine warme und kurze Dusche in der Lotte. Der Regen am Sonntagmorgen vertrieb uns recht schnell wieder hinter das Lenkrad, denn das Regenradar versprach einen wolkenlosen Himmel im Süden. Und tatsächlich: Als wir an dem Ort, den wir uns ausgesucht hatten, ankamen, klarte es nach und nach auf, sodass wir am Sonntagnachmittag von der Sonne verwöhnt wurden. Wir hatten einen Parkplatz an einem Bootshafen in Høllen bei Søgne gefunden, an dem wir recht nah am Strand stehen konnten. Trotz der warmen Farben durch die Sonne war es ziemlich kalt draußen, denn es ging eine steife Brise. Aber das konnte uns nicht vom Sonntagsspaziergang abhalten und so kamen wir auch noch in den Genuss eines wunderbaren Sonnenuntergangs.

Die Nacht auf Montag war ebenso kühl, sodass wir morgens (ohne Heizung) bei etwa 11 Grad in der Lotte aufwachten. Draußen hatte es 8 Grad. Aber mit der Heizung waren wir schnell wieder auf Temperatur und der Arbeitstag konnte kommen. Den stressigen Alltag konnten wir bei diesem wunderbaren Wetter nun immerhin bei einer schönen Mittagspause im Sonnenschein bei offenem Fenster versüßen.

Am Abend wollten wir die restlichen Kilometer nach Kristiansand fahren und die Stadt anschauen. Wir fanden einen relativ günstigen Parkplatz am Rand der Stadt, von dem aus man aber dennoch in wenigen Gehminuten am Hafen und im Zentrum der Stadt war. Auf unsere Runde kamen wir unter anderem an einem Viertel vorbei, dass uns ein wenig an Bryggen in Bergen erinnerte. Die Karte verriet uns, dass es hier auch ähnlich hieß: Fiskebrygga, wo wohl früher der Fischmarkt zu finden war, gibt es heute Büros und Restaurants.
Das Licht der untergehenden Sonne tauchte die historischen und weniger historischen Gebäude an der Küstenlinie Kristiansands in wundervolles Licht, auch wenn man mit jeder Minute spürt, wie die Kälte der Nacht in die Stadt kroch. Dabei war es gerade einmal kurz nach 20 Uhr als es mehr dunkel als hell war und wir unsere Runde am Theater- und Konzerthaus Kilden für beendet erklärten. Das mehrere Meter auskragende Holzdach des Hauses beeindruckte uns beinahe ebenso sehr wie die dünne Mondsichel, die am Horizont zu erkennen war.


Stadtluft in Stavanger

Nach zwei anstrengenden Arbeitstagen besuchten wir am Samstag die Stadt Stavanger, die mit ihren ca. 130.000 Einwohnern zu einer der größten Stadt Norwegens zählt. Wir fanden einen Parkplatz am Rande der Stadt, von dem aus man nur wenige Gehminuten bis zum belebten Zentrum am Fjord benötigt. Der Samstagvormittag versprach gutes Wetter, also machten wir uns nach so viel Natur in den letzten Tagen und Wochen (Bergen schien schon so lange her) auf zu einem Stadtbummel. Offenbar waren wir etwas zu früh unterwegs, da die meisten Geschäfte erst um 10 Uhr öffneten, aber so konnten wir die Gassen und Straßen noch ganz für uns erfahren. Am Erdölmuseum machten wir etwas Pause, nicht zuletzt wegen des einmaligen Blickes auf die riesige Stadtbrücke Stavangers, die sich von dort aus einmal durch das Bild zog und die traditionellen Häuser mit dem vorgelagerten Segelboothafen mit den modernen Büro- und Geschäftsgebäuden verband.

Stavanger Stadtbrücke

Nach und nach füllten sich die Gassen mit Menschen und Leben. Wir kauften uns eine Kleinigkeit auf die Hand und genossen nun einmal den Trubel der hin und her eilenden und schlendernden Menschen. Wir schauten Schaufenster an und stöberten durch Läden, die uns gefielen. Nach einiger Zeit wurden uns die Menschen aber doch wieder etwas zu viel und wir suchten ruhigere Viertel auf. So zum Beispiel den Stadtteil „Gamle Stavanger“ (Alt-Stavanger), wo die traditionellen weißen Holzhäuser an kleinen, verwinkelten Pflasterstraßen standen. Da Stavanger einigermaßen hügelig war erhaschten wir auch immer mal wieder einen Blick auf den Hafen und die gegenüberliegenden Stadtteile.

Der Hunger zog uns am frühen Nachmittag wieder zurück zu Lotte. Müsli hatte außerdem genug von anderen Hunden und deren Menschen. Zeit für einen entspannten Samstagnachmittag!

Die Vorteile des Allemannsretten um Stavanger genutzt

Euphorisiert von unserer Wanderung auf den Preikestolen und von den Wettervorhersagen für die kommenden Nächte suchten wir uns südlich vom Lysefjord und südöstlich von Stavanger einen Wanderparkplatz, von dem aus wir in der Natur unser Zelt aufschlagen konnten. Die Nacht versprach sternenklar zu werden – zumindest den Großteil der Nacht. Zudem sollte es nicht zu kalt werden, als dass es uns und vor allem auch Müsli zu frisch wird. Tatsächlich liefen vollgepackt mit Zelt, Isomatten, Schlafsäcken, Feldküche und Hundefutter mehr oder weniger darauf los. Vom Parkplatz ging nur ein großer Weg hinauf auf die Berge, diesem folgten wir und als wir meinten, wir hätten den idealen Platz gefunden, schlugen wir unser Zelt auf. Danke des Allemannsretten („Jedermannsrecht“) darf man in Norwegen nahezu überall zelten, solange man sich nicht dauerhaft niederlässt, selbstverständlich seinen Müll mitnimmt, nicht zu nahe an (bewohnten) Häusern campiert und noch ein paar weitere Regeln, die für uns aber auf der Hand liegen, einhält.

Wir brachen am späten Mittwoch Nachmittag auf, sodass wir uns noch ein kleines Wettlaufen mit der untergehenden Sonne lieferten. Wir gewannen und konnten noch im Sonnenlicht aufbauen und den Untergang über der Stadt Stavanger beobachten. Langsam gingen hier und da die Lichter der Straßen und Häuser an, langsam verschwand die Sonne hinter den tief über dem Meer hängenden Wolken.
Während es immer kühler wurde, wärmten wir uns mit leckerem Tütenessen und bereiteten uns für die Nacht vor. Tatsächlich war es gegen 20 Uhr schon komplett dunkel. Lediglich ein leicht hellerer Streifen über dem Meer verriet, dass hier vor kurzem noch die Sonne das Land erwärmte. Irgendwie machte uns die Dunkelheit auch relativ müde. Wir beobachteten noch ein bisschen den Sternenhimmel, der von der Stadt abgewandt fast schon unnatürlich hell erschien. Dank dem geringen Streulicht konnten wir sogar die Milchstraße erkennen – leider waren unsere Kameras trotz Langzeitbelichtung nicht so stark. Um kurz nach 21 Uhr schlüpften wir in unsere Schlafsäcke, und wachten am nächsten Morgen auch schon mit dem ersten Licht auf.

Über die Nacht hatte es geregnet, aber inzwischen war es wieder trocken, nur die dicken Wolken hingen noch über den Bergen. Wir packten alles zusammen und machten uns auf dem Weg zurück. Keine 2 h später saßen wir schon wieder in unseren Online-Meetings und waren zurück im Alltag..

600 Meter nichts: Der Preikestolen

Neben der Trolltunga und dem Kjeragbolten wollten wir unbedingt auf den Preikestolen, eine Felsplattform, die etwa 600m über dem Fjord hinausragt. Außerdem liegt der Wanderparkplatz nur etwa 2 Wanderstunden entfernt und lediglich 300hm tiefer. Dieses Mal sollte also alles klappen. Zumindest hatten wir uns fest vorgenommen, dieses Mal so lange zu diskutieren bis wir los laufen dürfen.
Wir hatten uns einen Tag herausgesucht, an dem es am Nachmittag aufhören sollte zu regnen und gegen Abend sogar die Sonne scheinen sollte. Unseren Arbeitsparkplatz bei Jørpeland verließen wir bereits nachmittags als es lichter wurde am Himmel. Wenig später erreichten wir den Parkplatz auf halber Höhe des „Predigtstuhls“, wie die Felsformation übersetzt heißt. Schnell in die Wanderhose geschlüpft und die Trekkingschuhe angezogen, etwas Wasser und einen Napf für Müsli eingepackt und schon ging es los.

Tatsächlich war ich auf den Weg mindestens genauso gespannt wie auf die schroff abfallende Felskante über dem Fjord. Vor einigen Jahren waren Freunde von mir schon dort und sie berichteten, dass man am Ende ein gutes Stück an der Felskante auf den Preikestolen zu lief. In der Tat war das mit unter der beeindruckenste Abschnitt des Weges, auch wenn ich mir diesen länger vorgestellt habe. Dennoch erhielt man erst hier auf den letzten 100m den Eindruck so richtig im Berg zu sein. Der Weg wurde 2013/2014 von nepalesischen Sherpas touristenfreundlich angelegt: Über drei große Anstiege, die aus den Felsbrocken treppenartig gestaltet worden sind, überwand man nach und nach die Höhenmeter. Der Pfad, teilweise sogar mit wunderhübschen, modernen Holzbrücken versehen, konnte kaum verfehlt werden. Nicht zuletzt wegen der einfachen Begehbarkeit zählt der Preikestolen wohl zu den meist besuchten Naturplätzen Norwegens.

Als wir aber recht bald an der Felskante ankamen, sahen wir, dass sich neben den guten Pfaden auch die Plattform und der Ausblick über den Lysefjord selbst definitiv jeden Schritt wert waren. Auch wenn ich mir im Tal noch nicht sicher war, ob ich mich bis ganz vor an die Kante trauen würde, musste ich nun doch einfach hinab schauen. Und als ob der Blick nach unten nicht schon atemberaubend genug wäre, verstärkten die Winde, die an der nahezu senkrechten Wand empor stiegen, das Gefühl der Ausgesetztheit nochmals um ein Vielfaches. Müsli sah zwar selbst nicht nach unten, aber es schien als würde sie wissen, dass es dort mehrere hundert Meter, 600 m um genau zu sein, ins Nichts ginge. Sie ließ sich auch nicht ganz so für diese Felsformation begeistern wie wir. Naja.. 😉

Für einige Minuten hatten wir den Preikestolen mit seinem ganzen Ausmaß für uns alleine. Wir spürten den Wind, das flaue Gefühl im Magen, wenn wir an die Kante traten, aber auch die Glücksgefühle hier heroben zu stehen und den Blick schweifen zu lassen, während die Sonne langsam hinter der Felskante verschwand.
Als wir uns wieder an den Abstieg machten, sahen wir die Sonne weiter Richtung Horizont wandern und schließlich gänzlich hinter den Wolken im Meer verschwinden. So kamen wir in der Dämmerung wieder am Parkplatz an. Müsli hatte inzwischen die angenehmere Variante des Tragens gewählt und schlüpfte direkt auf ihr Plätzchen in der Lotte.

Kleine Kreuzfahrt auf dem Lysefjord

Eigentlich wollten wir am Sonntag zuerst im Regen einige Kilometer abspulen und dann, wenn es nachmittags aufreißen würde, auf den Kjerag am Lysefjord wandern. Dort ist eine Felskugel seit vielen, vielen Jahren zwischen zwei Felsen eingeklemmt und thront von dort über dem Fjord. Man solle nicht nur einen wunderbaren Blick über das Tal und die Berge haben, sicherlich ist es auch eine gewisse Herausforderung und ein Nervenkitzel sich auf diesen Felsbrocken zu stellen, wenn es darunter mehrere hundert Meter ins Nichts und früher oder später in den Fjord geht. Die Wanderung dorthin ist als, verglichen mit der zur Trolltunga am Hardangerfjord, technisch einfach beschrieben worden. Jedoch ziehen sich wohl Strecke und Höhenmeter zum Kjeragbolten, wie der Felsbrocken heißt, doch relativ, sodass man zwischen 4 und 6 Stunden einkalkulieren müsste. Für uns sollte es also an einem Nachmittag schaffbar sein, selbst mit Müsli und bei nicht optimalen Wetterbedingungen, denn Müsli können wir einfach in den Rucksack nehmen, wenn es zu viel wird oder zu gefährlich und wir waren ja inzwischen bestens ausgestattet und hatten auch schon die ein oder andere alpine Wanderung hinter uns. Wir dachten zumindest, dass alles so klappen würde…

Als wir nach 4 Stunden anstrengender Fahrt kurz nach dem Mittag über enge und sehr enge Straßen auf den Hochebenen zwischen Vestland und Rogaland ankamen (es klarte tatsächlich nach und nach auf), freuten wir uns auf die Wanderung. Endlich raus, den Kopf etwas frei bekommen und vielleicht auch ein bisschen die Seele aus dem Leib laufen, nachdem wir so lange saßen.
Doch es sollte anders kommen: Der Parkplatz war mit einem Einweiser ausgestattet, der uns freundlich empfing und uns darauf hinwies, dass es vermutlich zu spät für unseren Aufbruch kein könnte. Er würde uns empfehlen, morgen vormittags nochmals zu kommen. Dann würden sich die 300 NOK (ca. 30 EUR) Parkgebühren auch besser lohnen.

Irgendwie waren wir beide in dem Moment etwas neben uns, weil keiner von uns wirklich widersprach.. Wir überlegten nicht mal kurz, sondern stimmten ihm mehr oder weniger zu und fuhren ins Tal. Unten angekommen, sahen wir, dass es hier nicht wirklich Plätze für eine Nacht gab. Auch die Fähre (neben der Straße, auf der wir gekommen waren, die einzige Möglichkeit wieder aus dem Tal herauszufahren), musste vorreserviert werden und fuhr nur 2 mal am Tag. Bereits jetzt, wo der Himmel immer blauer wurde, ärgerten wir uns, dass wir nicht stur geblieben sind, und die Wanderung unternommen hatten. Tatsächlich würden wir Lotte nicht nochmals die vielen Höhenmeter nach oben und nach unten quälen wollen. Der Kjeragbolten sollte also nicht heute und auch nicht morgen von uns besucht werden. Stattdessen spazierten wir noch etwas um den Ort Lysebotn herum, wobei wir allerdings fast ständig Blick auf das Restaurant am Kjeragbolten-Parkplatz hatten.

Abends organisierten wir uns also einen letzten Platz auf der Nachmittagsfähre, die uns eine knappe halbe Stunde lang an den nächsten Ort am Fjord bringen würde, von dem aus wir wieder weiterfahren können. Tatsächlich regnete es auch den gesamten Montag lang bis am späten Nachmittag die Fähre kam. Innerhalb weniger Minuten klarte es auf und wir konnten zumindest vom Fjord aus besagten Felsbrocken erspähen. Auch den leider weitaus weniger bekannten Felsvorsprung daneben, der vom Berg aussieht wie der Kopf eines Adlers („Eagle’s Head“) konnten wir sehen. So hatte sich diese vergleichsweise teure Fähre doch noch richtig gelohnt.

Der nächste Morgen begrüßte uns in Sognesand, wo wir direkt am Fähranleger stehen blieben mit einem wunderschönen Sonnenaufgang hinter den Bergen, der die leichten Wolken am Himmel in dunkles rot tauchte. Da für heute gutes Wetter gemeldet war, wollten wir abends nochmals zu einer Wanderung aufbrechen. Wir fuhren daher direkt am Morgen ein kleines Stück, sodass es nachmittags nicht mehr so weit sein sollte.

Naturschauspiele am Rande des Hardangervidda Nationalparks

Wir verließen unseren Parkplatz bei der Hardangerbrücke am Samstag Vormittag und fuhren noch die restliche Strecke entlang des Fjordes bzw. entlang eines Seitenarmes. Wir hatten seither noch Glück mit dem Wetter, sodass wir einen bunten Mix aus Sonne, Regen und Wolken hatten. Am Ende des Tals kamen wir an einem einzigartigen Wasserfall vorbei, dem Låtefossen. Wir entschieden uns eher spontan anzuhalten und uns diesen Ort genauer anzusehen. Als wir ausstiegen, kam die Sonne sogar noch ein bisschen mehr hinter den Wolken hervor und tauchte uns und den Wasserfall in ein besonders schönes Licht. Durch die Gischt des tosenden Wassers war alles besonders hell und eindrücklich.
Auch die alte Steinbrücke, die über den anschließenden Bach bzw. See des Wasserfalls führte, faszinierte uns.

Das Ziel für diesen Tag lag noch einige Kilometer und vor allem Höhenmeter weiter. Wir hatten einen See gefunden, an dessen Ufer eine kleine Straße mit mehreren Parkbuchten entlang führte. Um uns wäre also nicht als Natur und Ruhe.
Auf der Fahrt zogen die Wolken etwas mehr zu und es begann andauernd zu regnen. Also schlugen wir noch etwas Zeit tot, indem wir noch etwas arbeiteten und entspannten, und hofften, dass das Wetterradar Recht behielt, sodass es am späten Nachmittag wieder freundlicher werden sollte.
Tatsächlich wurde es das auch: Die Sonne begrüßte uns einige Stunden später mit einem wunderschönen Regenbogen zurück und wir machten uns auf zu einem Spaziergang entlang des Sees.

Regenbogen am See Votna

Wir hatten inzwischen herausgefunden, dass dieser See eigentlich ein Stausee ist und die Straße öffentlich zugänglich zu seiner Staumauer führt. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einigen hübschen und idyllischen Hütten vorbei die an den Hängen des Sees standen. Hier kann man sich durchaus vorstellen, den Sommerurlaub zu verbringen.
An der Staumauer angekommen, genossen wir die Sonnenstrahlen umso mehr, da es hier oben inzwischen schon ordentlich kühl war und ein frischer Wind wehte. Aber immerhin blieben wir trocken bis wir wieder in der warmen Lotte zurück waren. Auch wenn wir in der Ferne immer wieder dunkle Wolken, die auch teilweise abregneten beobachten konnten.

Entlang des Hardangerfjordes

Wir wollten den Hardangerfjord entlang fahren – von der Mündung bis zu seinem „Ursprung“, also machten wir uns von unserem Platz südlich des Fjordes auf den Weg. Im Hinterland des Fjordes wollten wir auch eigentlich die „Trolltunga“ besuchen. Das ist ein Felsblock, der wie eine Zunge aussieht und über den Fjord ragt. Als wir uns darüber jedoch genauer informierten, fanden wir heraus, dass wir dazu wohl zwischen 8 und 12 Stunden wandern müssen, was für Müsli noch viel zu lange wäre. Außerdem empfiehlt es sich wohl so spät im Jahr nur noch mit einem lokalen Wanderführer. Da das Wetter auch eher nur mäßig bis regnerisch bleiben sollte, strichen wir diesen Ort schweren Herzens von unserer Liste. Den Fjord entlang fahren wollten wir aber trotzdem.
Konstantin hatte nur weniger Kilometer neben unserem Schlafplatz einen deutschen Norweger entdeckt, der geführte Angeltouren anbot. Diese Gelegenheit wollte er nicht auslassen, also ging es am Mittwochnachmittag auf eine Fischertour an der nordischen See – mit Erfolg: wir konnten einige Tage von dem frischen Fisch abwechslungsweise zu Mittag und zu Abend essen.

Abends fuhren wir nach Mundheim, ein kleines Dörfchen am Hardangerfjord. Von dort hatten wir einen wunderbaren Blick auf das gegenüberliegende Ufer, das an diesem Tag wohl mit mehr Sonnenglück gesegnet war als wir. Aber das machte gar nichts, bzw. war von Mundheim aus sowieso viel schöner zu sehen. Bei uns war es zumindest auch weitestgehend trocken, sodass wir nach dem Feierabend noch auf eine der vorgelagerten Halbinseln wanderten, die Ruhe genossen und die Möven und Enten auf Futtersuche beobachteten.

Von Mundheim ging es weiter nach Vikøy. Diese Ortschaft liegt ebenfalls am nördlichen Ufer des Hardangerfjordes. Hier regnete es bis auf ein paar wenige Minuten am Morgen beinahe den ganzen Tag. Wir blieben also nur bei der Morgenrunde mit Müsli trocken. Doch hier wurden wir sogar mit einem sehr einmaligem Sonnenaufgang belohnt, der den Fjord und die Berge hinterhalb in wunderschönes Licht tauchte. Da wir so oder so arbeiten mussten, machten wir uns nicht viel aus dem Wetter.

Hardangerfjord bei Vikøy

Am Freitagnachmittag fuhren wir weiter an das östliche Ende des Fjordes. Hier nutzen wir jedoch die ca. 1,3km lange Hardangerbrücke, um jeden letzten Bogen des Fjordes ausfahren zu müssen. Aber die Brücke und der Weg dort hin waren schon speziell genug: In einem der vielen Tunnel tauchte mehr oder weniger plötzlich ein Kreisverkehr vor uns auf und nur wenige hundert Meter nach dem Verlassen dieses Portals standen wir dann auch schon auf der Brücke und überquerten den Fjord. Auf der anderen Seite dasselbe Spiel nochmal: Brücke, Tunnel, Kreisverkehr.
Wir hatten einen Rastplatz „neben“ der Brücke ausfindig gemacht, von dem aus man über einen Fußgängertunnel neben und in dem Tunnel der Fahrzeuge ebenfalls auf die Brücke kommt. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen.

Bergen – Zwischen Meer, Stadt und Gipfeln (3/3)

Auf unserem Weg auf den Berg Fløyen fiel uns auch die markante Spitze des benachbarten Berges Ulriken auf. Neben einer Seilbahn, die offenbar hinauf führte, stach vor allem der riesige Sendemast ins Auge. Außerdem sah es so aus, als würde dieser Berg die Stadt ein bisschen zu deutlich vor der Natur hinter ihm abschirmen. Nicht zuletzt weil Ulriken nochmals etwa 200m höher war als Fløyen, sondern auch weil er etwas mehr hinter der Stadt liegt, vermuteten wir eine wunderbare Aussicht auf Bergen und die Inseln davor.

Also suchten wir uns am Dienstag einen Parkplatz unterhalb, um hinauf zu wandern. Leider fanden wir in Bergen nicht mal einen kostenpflichtigen Parkplatz auf dem wir parken konnten, daher verlagerten wir die Suche mehr ins Hinterland. Bewegung tut ja gut..!
In Nattlandsfjellet (südlich des Berges und südöstlich der Stadt) wurden wir auf einem Parkplatz für Wanderer fündig, Übernachten würden wir selbstverständlich wieder wo anders.

Da Konstantin’s Meeting des vergangenen Tages Arbeit abwarf und der gesamte Weg für Müsli zulange gewesen wäre, begleiteten die beiden mich bis auf einen vorgelagerten Gipfel. An dessen Flanke befand sich ein sehr idyllischer See, sodass Konstantin und Müsli nach einem Gipfelkaffee für Konstantin und einem kleinen Bad für Müsli (zuerst freiwillig im Matsch, dann eher unfreiwillig im See) von hieraus wieder umkehrten. Von hier aus hatte man den Ulriken schon recht gut im Blick und ich somit mein Ziel direkt vor Augen.

Bergen mit dem Berg Ulriken

Einige Höhenmeter, Berghütten und Bergseen später hatte auch ich meinen Gipfel erreicht. Vor allem auf den letzten 50hm nahm der Wind sehr stark zu. Auf dem Gipfel selbst musste ich zusehen, dass es mir meinen fast leeren Rucksack nicht wegwehte. Auf der Rückseite des Steinhaufens, der den Gipfel markierte, war es etwas windstiller, sodass ich hier einige Minuten die Aussicht und das Wolkenspiel beobachten konnte. Als es mir auch hier zu sehr zog, machte ich mich wieder an den Abstieg. Von Südosten sah ich bereits Regenschauer über das Land und die Fjorde ziehen. Hoffentlich bliebe ich verschont!

Es kam, wie es kommen musste: Auf halber Strecke fing es an zu regnen. Doch ich hatte Glück, denn der Wind ließ nicht nach und vertrieb die Regenzelle somit recht schnell und die Sonne kam wieder zum Vorschein. Bei Ankunft in der Lotte sollte ich und meine Kleidung schon fast wieder trocken sein.
Der Weg zwischen dem Berg und der Ortschaft, bei der wir geparkt hatten, erinnerte mich aber dennoch an die Zweitagestour bei Trondheim: Matschiger Boden und wenn man nicht aufpasste, nasse und schlammüberzogene Schuhe und Füße. Doch so langsam hatte ich eine gewisse Erfahrung und sah dem Dreck an, wenn er mich nicht tragen würde, und konnte somit nasse Füße vermeiden. Auch wenn ich mich dieses Mal komfortabel in der Lotte trocknen hätte können.

Da wir nun drei Tage in und um Bergen verbracht hatten, wollten wir langsam wieder weiter. Hardangerfjord, Stavanger und südlichere Punkte stehen auf unserer Liste. Also suchten wir uns einen Stellplatz südlich des Bjørnafjords, der ebenfalls südlich von Bergen verläuft.