Ha det, Norge!

Von Oslo aus ging es am Sonntagabend noch weiter Richtung Süden. Leider musste ich am kommenden Wochenende für eine Woche in die Heimat, weil sich bei mir ein paar Arbeiten angesammelt hatten, die leider nicht von unterwegs bearbeitet werden konnten. Deshalb sollten wir in etwa 6 bis 7 Tagen Malmö bzw. Helsingborg in Schweden erreichen, von wo aus mein Zug startet. Dazu kam, dass für die kommenden Tage schlechteres und kälteres Wetter mit sehr wahrscheinlichem Schneefall in Oslo gemeldet war. Darauf hätten wir zwar auch Lust, aber wenn wir unter der Woche wieder arbeiten wollen, dann benötigen wir Strom und den bekommen wir nun mal leichter, wenn die Sonne scheint.

Deshalb ging es von unserem Berg-Parkplatz am Stadtrand von Oslo ca. eine Stunde nach Süden nach Råde. Dort hatte Konstantin einen Stellplatz mit kostenlosem Strom und Dusche / WC gefunden. Das war ideal um unsere Akkus wieder aufzuladen. Denn auch, wenn die vergangenen Tage in Oslo traumhaft waren, reicht die Sonnenenergie in diesen Breitengraden doch langsam nicht mehr ganz aus, um unser gesamtes Büro bei kompletter Auslastung zu versorgen. Inzwischen würden wir alle paar Tage wohl eine Ladesäule anfahren müssen.

Am Montagnachmittag ging es nach getaner Arbeit nochmals ein gutes Stück gen Süden: Wir überquerten an diesem Tag die Grenze zu Schweden und es hieß Abschied nehmen von diesem wunderschönen Land, das wir in den letzten Wochen kennen und lieben gelernt hatten. Auch wenn das Camper-Dasein in Norwegen (in der Nebensaison) nicht ganz so einfach war wie im Sommer in Schweden, das Internet sehr teuer war und wir die Feierabendbier-Preise mal lieber unerwähnt lassen wollen, steht wohl für uns beide fest, dass wir ganz sicher nochmal wieder kommen wollen. Denn die Natur und Landschaft ist einfach viel zu schön!

Aber nur wenige Kilometer auf der schwedischen Seite der Grenze sahen wir, dass sich diese beiden Länder (aus unserer Sicht) beinahe die Waage hielten: Vielleicht ist die Gegend hier in Südschweden etwas „fader“ als in Norwegen, aber definitiv immer noch wunderschön und einzigartig. Dafür konnten wir hier im nächsten Laden unsere SIM-Karte aufladen lassen und hatten wieder bezahlbares Internet.
Nur wenige Fahrminuten davon entfernt fanden wir ein wunderschönes Plätzchen, auf dem wir die Nacht über bleiben konnten.

Lotte am Storfjord in Norwegen

Hauptstadtgefühle in Oslo (3/3)

Den Sonntag ließen wir ruhig angehen: Wie auch am Samstag wurden wir durch einen wunderschönen Sonnenaufgang begrüßt, sodass wir erst einmal beschlossen, am Vormittag zu Fuß den Holmenkollen mit seiner berühmten Skisprungschanze und der Langlaufarena zu erkunden. Da wir am Nachmittag nochmals ein bisschen in die Stadt wollten, entschieden wir uns dafür, Müsli zunächst ihren wohlverdienten Vormittagsschlaf abhalten zu lassen und sie erst später mit zunehmen.
Im Nachhinein erwies sich das als eine sehr gute Entscheidung: Zum einen zog sich der Fußmarsch bis zur Schanze etwas mehr als gedacht und zum anderen konnten wir so noch in das Skimuseum unter der Schanze, um auch auf die Spitze dieser zu gelangen. Im Museum wären jedoch keine Hunde erlaubt gewesen. Doch der nahezu 360°-Blick vom Dachplateau der Skispringschanze lohnte allemal.

Blick über Oslo – Holmenkollen Skisprungschanze

Bereits auf dem Weg zur Schanze liefen wir an einer Langlaufbahn entlang und als wir uns der Sportstätte näherten, sahen wir auch den Schießstand der Biathleten. Die Arena war bereits jetzt stark besucht: Alle möglichen Altersklassen trainierten für die bevorstehende Saison.
Wir drehten eine Runde um die Schanze und die Arena und bewunderten das gigantische Bauwerk aus Beton und Stahl. Da wir gerade rechtzeitig zur Museumsöffnung kamen, entschieden wir uns kurzentschlossen dazu, mit dem Lift bis ganz nach oben zu fahren. Selbstverständlich schauten wir uns auch das Museum selbst etwas genauer an. Durchaus faszinierend zu sehen, auf welchen Holzbretten sich die Menschen vor vielen hundert Jahren fortbewegten – kaum zu vergleichen mit den heutzutage gängigeren High-tech-Skiern der Spitzensportler.

Als uns der Hunger packte, holten wir Müsli ab und fuhren mit der T-banen in die Stadt hinunter. Im Zentrum Oslos holten wir uns eine Kleinigkeit auf die Hand und fuhren dann mit dem Bus weiter auf die Museumsinsel der Stadt: Konstantin wollte das Expeditionsschiff „Fram“, mit dem sich die Forscher planmäßig mehrere Winter im Polarmeer einfrieren ließen, um dort zu überwintern, sehen. Ich war in diesem Museum schon bei meinem Oslobesuch vor 2 Jahren, also kümmerte ich mich in der Zwischenzeit um Müsli, die natürlich auch in dieses Museum nicht durfte. Aber wir fanden ein Freilichtmuseum, in dem alte und traditionelle Gebäude wieder aufgebaut worden sind. Zum Teil handelt es sich dabei wohl um originale Nachbauten und zum Teil wurden die Häuser und Hütten einfach an ihrem ursprünglichen Ort abgebaut und im Museum 1:1 wieder aufgebaut. Eines dieser originalen Bauten ist die Stabkirche, die einst in Gol stand. Die parkähnliche Anlage war ideal für Müsli und das herbstlich-sommerliche Wetter.

Besonders die Hütten aus dem 16. / 17. Jahrhundert haben es Müsli angetan, sodass sie vor einer der Speicher posierte, als wäre es ihre neue Hundehütte. Ich konnte sie dann aber doch überreden, vorerst nochmal mit mir mit zukommen und sich mit unserer Lotte zu begnügen… 😉

Als Konstantin wieder zu uns stieß, gönnten wir uns im Café des Museums noch einen warmen Kaffee ehe wir wieder zurück zu unserem Basislager auf der anderen Seite der Stadt aufbrachen.

Hauptstadtgefühle in Oslo (2/3)

Am Samstagmorgen sahen wir erst mit den ersten Sonnenstrahlen, bzw. einige Zeit davor so richtig, was wir nun für ein hübsches Fleckchen oberhalb Oslos gefunden hatten. Die Sonne färbte den Himmel in jegliche Farbschimmer von dunkelblau und lila über rot und orange bis gelb und beinahe weiß, während sie sich langsam über den Horizont schob. Um uns herum war zu 3 von 4 Seiten Natur, Wald und Wanderwege. Auf der vierten Seite schloss eine Straße mit einem Bergrestaurant an den Parkplatz an.
Ein Blick auf die Karte zeigte uns außerdem, dass nur 300m entfernt eine T-banen-Station gelegen sei. Und tatsächlich war das die letzte Station der Linie 1, die über den Holmenkollen (der Berg mit der bekannten Skisprungschanze), bis kurz vor das Skigebiet verlief. Wir parkten allerdings etwas bergabwärts, sodass wir an der Station am Abend zuvor nicht vorbei kamen.

Müsli verbrachte den Samstagvormittag damit mit einem Labrador-Pudel-Mix-Welpen zu spielen und zu toben, sodass wir beschlossen, dass sie uns erst nach einem ausgiebigen Schlaf am Nachmittag wieder durch die Stadt begleiten würde. Wir versorgten sie also mit Wasser, etwas Futter und ihrem Spielknochen, auf dem sie recht schnell einschlief, und setzten uns dann in die U-Bahn. Irgendwie ein komisches Gefühl hier aus diesem Wander- und Skigebiet einfach so mit den Öffis in die Stadt hinab fahren zu können.
Konstantin besuchte das Norsk Teknikk Museet (norwegisches Technikmuseum) und ich schlenderte bisschen durch die Stadt. Dieses Mal sah ich mir vor allem den Stadtteil Aker Brygge an, der am Hafen Oslos gegenüber der Festung lag. Dieser gefiel mir schon bei meinem ersten Besuch Oslos vor 2 Jahren besonders gut. Die modernen Wohn- und Geschäftsgebäude mit den traditionell wirkenden Klinker-Fassaden haben für mich irgendwie Charme – auch wenn man hier das Geld förmlich zwischen den Mörtelfugen sitzen sehen kann.

Nach einem kurzen Happen auf die Hand machte ich mich wieder auf den Weg zu Müsli, sodass wir am Nachmittag wieder zu dritt die Stadt unsicher machen konnten.
Von unserem Treffpunkt aus liefen wir zunächst durch den großen Vigelandspark, der mit seinen vielen Skulpturen und herbstlichen Alleen nicht nur uns anlockte. Von dort aus machten wir uns auf den Weg zum königlichen Schloss und zum Nationaltheater. In der Fußgängerzone davor setzten wir uns in ein Café und wärmten uns etwas auf. Da wir nun schon hier waren, nahmen wir noch das berühmte Rathaus mit und ich wollte Konstantin noch Aker Brygge zeigen, was quasi auf der anderen Straßenseite lag.

Wir erreichten das Ende dieser Hafenpromenade gerade zur richtigen Zeit: Die Sonne verschwand gerade hinter dem gegenüberliegenden Land, sodass wir den zweiten Sonnenuntergang in Folge in dieser Stadt genießen konnten. Fast genauso hübsch wie gestern auf dem Dach der Oper wurde es hier, am Tjuvholmen Badeplass (ein Badeplatz „mitten“ in der Stadt), langsam dämmrig. Für uns, neben der Kälte und der müde werdenden Müsli, der Startschuss für den Weg zurück zur Lotte.

Hauptstadtgefühle in Oslo (1/3)

Von unserem naturnahen Parkplatz an einem Stausee süd-westlich von Oslo brachen wir am Donnerstagabend noch auf, um nach Oslo zu fahren. Wir hatten einen Parkplatz gefunden, der relativ ruhig am Stadtrand in einem Wäldchen gelegen war. Hier durften wir 48h parken und mehr oder weniger gegenüber war ein ebenso großer Parkplatz, für den dasselbe galt. Somit bekämen wir in der Theorie 4 Tage Oslo ohne wesentliche Parkkosten hin. Die doch eher weite Distanz ins Stadtzentrum konnten wir durch die T-banen (Osloer U-Bahn) recht einfach abkürzen, denn die nächste Station lag nur etwa 10 Gehminuten entfernt. Mit dem Oslopass, den wir uns für 48h kauften, konnten wir jeglichen öffentlichen Nahverkehr in Oslo nutzen (Zone 1 und 2, wobei das gesamte T-banen-Netz noch Zone 1 abdeckt).

Als wir am Freitagmorgen aufwachten, kündigte sich ein wunderbarer sonniger, aber kühler Tag an. Unsere Stimmung trübte allerdings ein bisschen, dass pünktlich um 7 Uhr ein Stadtmitarbeiter an die Parkplätze fuhr und die Schilder dafür austauschte: Ab sofort gilt Parkverbot für Wohnmobile und Wohnanhänger zwischen 08:00 und 23:00 Uhr. Alle anderen Kfz dürfen weiterhin 48h stehen. Das wars dann also erstmal mit unserem tollen kostenlosen Parkplatz. Wir fragten uns, wann wohl die ersten Kontrollen kämen, und ob wir auch schon in den 48h verpflichtet wären, jeden Tag zu kontrollieren, ob sich die Parkregelungen ändern…
Letztendlich vertagten wir dieses Problem auf später und klemmten uns hinter unsere PCs.

Als der Feierabend dann um etwa 16 Uhr um die Ecke bog, machten wir uns mit Müsli auf in die Stadt. Tatsächlich hatten wir kein wesentliches Ziel, sodass wir an einer der zentralen Stationen ausstiegen und uns zu Fuß durch die Straßen der Fußgängerzone um die Karl Johans Gate treiben ließen. Dabei kamen wir unter anderem an der Osloer Domkirche vorbei und schlenderten über einen größeren Platz, auf dem höchsttraditionell ein Oktoberfest-Bierzelt aufgebaut war. Da fühlt man sich doch gleich „daheim“…

Osloer Domkirche

Unsere Füße führten uns weiter Richtung Hauptbahnhof, hinter dem unter anderem das Opernhaus der Stadt liegt. Auf das Dach dieses architektonisch einmaligen Gebäudes, dessen Fassade aus weißem Marmor hergestellt worden ist, kann man hinauf laufen. Besonders abends spiegelt sich der Sonnenuntergang in allen Farben in der riesigen Glasfassade des Eingangsportals. Und tatsächlich nutzen nicht nur Touris wie wir die letzten Sonnenstrahlen dort auf dem Dach, sondern auch einige Norweger trafen sich hier auf ein Feierabendbierchen.

Als die Sonne langsam aber sicher untergegangen war, wurde es sehr schnell noch kühler und wir zogen wieder Richtung Lotte. Es blieb ja schließlich nach wie vor die Frage zu klären, ob wir auf unserem Parkplatz noch eine Nacht stehen blieben oder doch lieber weiter zogen. Irgendwann dachten wir uns, naja, die werden schon nicht direkt in der ersten Nacht kontrollieren. Bleiben wir stehen..
Wenige Minuten später saßen wir dann aber doch in der Lotte und fuhren auf einen anderen Parkplatz am nördlichen Stadtrand…

Dort fanden wir dann tatsächlich doch auch einen Parkplatz, an dem keine Verbotsschilder angebracht waren. Auch wenn wir nun vermuteten, dass unser Weg in die Stadt etwas länger sein würde, oder wir tagsüber wieder auf einen der nachts gesperrten Parkplatz fahren müssten. Aber so konnten wir nun erst einmal beruhigt schlafen.

Zwischen Kristiansand und Oslo

Die Tage, nachdem wir Kristiansand verlassen haben, war sowohl für Konstantin als auch für mich sehr arbeitsreich. Wir waren zum einen gut mit unseren Aufgaben im „Büro“ beschäftigt und zum anderen mussten wir zusehen, dass wir unser Lotterleben hier im Süden von Norwegen am Laufen hielten. Irgendwie ging so langsam alles aus: Frischwasser, Diesel, Strom, Internet, Gas. Oder wurde voll: Abwassertank, Tanks der Toilette, Müll.

Freilich waren manche „Probleme“ schneller gelöst als andere. Tankstellen zum Beispiel haben hier in überwiegend die ganze Zeit geöffnet. Auch Ver- und Entsorgungsstationen fanden wir immer wieder mal, sodass auch Wasser (neu und alt), unsere Toilette und der Müll keine allzu großen Sorgen bereiteten. Mit dem Internet gingen wir dann eben sparsamer um und versuchten so viel wie möglich noch mit unserer deutschen SIM-Karte klar zu kommen, das sollte als auch klappen. Blieben noch Strom und Gas…

Tatsächlich hatten wir mit dem Wetter seit Kristiansand ziemlich viel Glück, sodass kaum Wolken am Himmel waren. Aber man muss zugeben: Es wird doch langsam Herbst bzw. Winter, die Sonne steht einfach nicht mehr so hoch am Himmel wie im Hochsommer, und wenn dann sicherlich nicht so lange. Dazu kam, dass wir wirklich einiges zu arbeiten hatten, und daher eigentlich immer einer der Laptops der Batterieladung zusetzte. Also fuhren wir auf einen Wohnmobilparkplatz an der E18 an, an dem es recht günstig Strom gab. Ein paar Tage würden wir damit wieder durchkommen, bis es Wochenende würde oder wir halt doch nochmals einen Stromnachschub auf dem Campingplatz nachholen müssten.

So richtig Sorgen machte uns aber das Gas. Denn ohne diesen Energieträger wäre es weder warm in der Lotte noch gäbe es warme Mahlzeiten. Beides bei ebenso klaren (und kalten) Nächten wie Tagen nicht sonderlich schön. Wir hatten ein paar Gashändler auf der Karte entdeckt, die wohl auch mit den deutschen Flaschen klar kämen, aber entweder waren wir um einige Minuten zu spät, weil das Meeting länger dauerte als gehofft, oder die Geschäften gab es einfach nicht mehr. Entweder wegen der Winterpause oder generell geschlossen. Doch dann fanden wir irgendwann einen Händler, der uns dann sogar beide Flaschen auffüllte, sodass wir nicht in wenigen Tagen wieder losziehen müssen. Wir waren inzwischen nur noch etwa 160km süd-westlich von Oslo. Aber immerhin würden wir auch zukünftig heizen und kochen können. Und so konnten wir auch den vorletzten stressigen Arbeitstag dieser Woche wieder einmal sehr abgelegen an einem alten Stausee verbringen. Man muss schon sagen, es arbeitet sich einfach besser, wenn man zum Gedankensortieren einfach kurz raus kann, an einem herbstlichen See entlang wandern und die Stille genießen kann.

Sonne über Kristiansand

Von Stavanger aus fuhren wir am Samstag und Sonntag mehr Richtung Süden an der Küste entlang. Unser erster Halt war in Egersund, wo wir auf eine warme Dusche am Hafen hofften. Diese hatte leider geschlossen, also gab es eine warme und kurze Dusche in der Lotte. Der Regen am Sonntagmorgen vertrieb uns recht schnell wieder hinter das Lenkrad, denn das Regenradar versprach einen wolkenlosen Himmel im Süden. Und tatsächlich: Als wir an dem Ort, den wir uns ausgesucht hatten, ankamen, klarte es nach und nach auf, sodass wir am Sonntagnachmittag von der Sonne verwöhnt wurden. Wir hatten einen Parkplatz an einem Bootshafen in Høllen bei Søgne gefunden, an dem wir recht nah am Strand stehen konnten. Trotz der warmen Farben durch die Sonne war es ziemlich kalt draußen, denn es ging eine steife Brise. Aber das konnte uns nicht vom Sonntagsspaziergang abhalten und so kamen wir auch noch in den Genuss eines wunderbaren Sonnenuntergangs.

Die Nacht auf Montag war ebenso kühl, sodass wir morgens (ohne Heizung) bei etwa 11 Grad in der Lotte aufwachten. Draußen hatte es 8 Grad. Aber mit der Heizung waren wir schnell wieder auf Temperatur und der Arbeitstag konnte kommen. Den stressigen Alltag konnten wir bei diesem wunderbaren Wetter nun immerhin bei einer schönen Mittagspause im Sonnenschein bei offenem Fenster versüßen.

Am Abend wollten wir die restlichen Kilometer nach Kristiansand fahren und die Stadt anschauen. Wir fanden einen relativ günstigen Parkplatz am Rand der Stadt, von dem aus man aber dennoch in wenigen Gehminuten am Hafen und im Zentrum der Stadt war. Auf unsere Runde kamen wir unter anderem an einem Viertel vorbei, dass uns ein wenig an Bryggen in Bergen erinnerte. Die Karte verriet uns, dass es hier auch ähnlich hieß: Fiskebrygga, wo wohl früher der Fischmarkt zu finden war, gibt es heute Büros und Restaurants.
Das Licht der untergehenden Sonne tauchte die historischen und weniger historischen Gebäude an der Küstenlinie Kristiansands in wundervolles Licht, auch wenn man mit jeder Minute spürt, wie die Kälte der Nacht in die Stadt kroch. Dabei war es gerade einmal kurz nach 20 Uhr als es mehr dunkel als hell war und wir unsere Runde am Theater- und Konzerthaus Kilden für beendet erklärten. Das mehrere Meter auskragende Holzdach des Hauses beeindruckte uns beinahe ebenso sehr wie die dünne Mondsichel, die am Horizont zu erkennen war.


Stadtluft in Stavanger

Nach zwei anstrengenden Arbeitstagen besuchten wir am Samstag die Stadt Stavanger, die mit ihren ca. 130.000 Einwohnern zu einer der größten Stadt Norwegens zählt. Wir fanden einen Parkplatz am Rande der Stadt, von dem aus man nur wenige Gehminuten bis zum belebten Zentrum am Fjord benötigt. Der Samstagvormittag versprach gutes Wetter, also machten wir uns nach so viel Natur in den letzten Tagen und Wochen (Bergen schien schon so lange her) auf zu einem Stadtbummel. Offenbar waren wir etwas zu früh unterwegs, da die meisten Geschäfte erst um 10 Uhr öffneten, aber so konnten wir die Gassen und Straßen noch ganz für uns erfahren. Am Erdölmuseum machten wir etwas Pause, nicht zuletzt wegen des einmaligen Blickes auf die riesige Stadtbrücke Stavangers, die sich von dort aus einmal durch das Bild zog und die traditionellen Häuser mit dem vorgelagerten Segelboothafen mit den modernen Büro- und Geschäftsgebäuden verband.

Stavanger Stadtbrücke

Nach und nach füllten sich die Gassen mit Menschen und Leben. Wir kauften uns eine Kleinigkeit auf die Hand und genossen nun einmal den Trubel der hin und her eilenden und schlendernden Menschen. Wir schauten Schaufenster an und stöberten durch Läden, die uns gefielen. Nach einiger Zeit wurden uns die Menschen aber doch wieder etwas zu viel und wir suchten ruhigere Viertel auf. So zum Beispiel den Stadtteil „Gamle Stavanger“ (Alt-Stavanger), wo die traditionellen weißen Holzhäuser an kleinen, verwinkelten Pflasterstraßen standen. Da Stavanger einigermaßen hügelig war erhaschten wir auch immer mal wieder einen Blick auf den Hafen und die gegenüberliegenden Stadtteile.

Der Hunger zog uns am frühen Nachmittag wieder zurück zu Lotte. Müsli hatte außerdem genug von anderen Hunden und deren Menschen. Zeit für einen entspannten Samstagnachmittag!

Die Vorteile des Allemannsretten um Stavanger genutzt

Euphorisiert von unserer Wanderung auf den Preikestolen und von den Wettervorhersagen für die kommenden Nächte suchten wir uns südlich vom Lysefjord und südöstlich von Stavanger einen Wanderparkplatz, von dem aus wir in der Natur unser Zelt aufschlagen konnten. Die Nacht versprach sternenklar zu werden – zumindest den Großteil der Nacht. Zudem sollte es nicht zu kalt werden, als dass es uns und vor allem auch Müsli zu frisch wird. Tatsächlich liefen vollgepackt mit Zelt, Isomatten, Schlafsäcken, Feldküche und Hundefutter mehr oder weniger darauf los. Vom Parkplatz ging nur ein großer Weg hinauf auf die Berge, diesem folgten wir und als wir meinten, wir hätten den idealen Platz gefunden, schlugen wir unser Zelt auf. Danke des Allemannsretten („Jedermannsrecht“) darf man in Norwegen nahezu überall zelten, solange man sich nicht dauerhaft niederlässt, selbstverständlich seinen Müll mitnimmt, nicht zu nahe an (bewohnten) Häusern campiert und noch ein paar weitere Regeln, die für uns aber auf der Hand liegen, einhält.

Wir brachen am späten Mittwoch Nachmittag auf, sodass wir uns noch ein kleines Wettlaufen mit der untergehenden Sonne lieferten. Wir gewannen und konnten noch im Sonnenlicht aufbauen und den Untergang über der Stadt Stavanger beobachten. Langsam gingen hier und da die Lichter der Straßen und Häuser an, langsam verschwand die Sonne hinter den tief über dem Meer hängenden Wolken.
Während es immer kühler wurde, wärmten wir uns mit leckerem Tütenessen und bereiteten uns für die Nacht vor. Tatsächlich war es gegen 20 Uhr schon komplett dunkel. Lediglich ein leicht hellerer Streifen über dem Meer verriet, dass hier vor kurzem noch die Sonne das Land erwärmte. Irgendwie machte uns die Dunkelheit auch relativ müde. Wir beobachteten noch ein bisschen den Sternenhimmel, der von der Stadt abgewandt fast schon unnatürlich hell erschien. Dank dem geringen Streulicht konnten wir sogar die Milchstraße erkennen – leider waren unsere Kameras trotz Langzeitbelichtung nicht so stark. Um kurz nach 21 Uhr schlüpften wir in unsere Schlafsäcke, und wachten am nächsten Morgen auch schon mit dem ersten Licht auf.

Über die Nacht hatte es geregnet, aber inzwischen war es wieder trocken, nur die dicken Wolken hingen noch über den Bergen. Wir packten alles zusammen und machten uns auf dem Weg zurück. Keine 2 h später saßen wir schon wieder in unseren Online-Meetings und waren zurück im Alltag..

600 Meter nichts: Der Preikestolen

Neben der Trolltunga und dem Kjeragbolten wollten wir unbedingt auf den Preikestolen, eine Felsplattform, die etwa 600m über dem Fjord hinausragt. Außerdem liegt der Wanderparkplatz nur etwa 2 Wanderstunden entfernt und lediglich 300hm tiefer. Dieses Mal sollte also alles klappen. Zumindest hatten wir uns fest vorgenommen, dieses Mal so lange zu diskutieren bis wir los laufen dürfen.
Wir hatten uns einen Tag herausgesucht, an dem es am Nachmittag aufhören sollte zu regnen und gegen Abend sogar die Sonne scheinen sollte. Unseren Arbeitsparkplatz bei Jørpeland verließen wir bereits nachmittags als es lichter wurde am Himmel. Wenig später erreichten wir den Parkplatz auf halber Höhe des „Predigtstuhls“, wie die Felsformation übersetzt heißt. Schnell in die Wanderhose geschlüpft und die Trekkingschuhe angezogen, etwas Wasser und einen Napf für Müsli eingepackt und schon ging es los.

Tatsächlich war ich auf den Weg mindestens genauso gespannt wie auf die schroff abfallende Felskante über dem Fjord. Vor einigen Jahren waren Freunde von mir schon dort und sie berichteten, dass man am Ende ein gutes Stück an der Felskante auf den Preikestolen zu lief. In der Tat war das mit unter der beeindruckenste Abschnitt des Weges, auch wenn ich mir diesen länger vorgestellt habe. Dennoch erhielt man erst hier auf den letzten 100m den Eindruck so richtig im Berg zu sein. Der Weg wurde 2013/2014 von nepalesischen Sherpas touristenfreundlich angelegt: Über drei große Anstiege, die aus den Felsbrocken treppenartig gestaltet worden sind, überwand man nach und nach die Höhenmeter. Der Pfad, teilweise sogar mit wunderhübschen, modernen Holzbrücken versehen, konnte kaum verfehlt werden. Nicht zuletzt wegen der einfachen Begehbarkeit zählt der Preikestolen wohl zu den meist besuchten Naturplätzen Norwegens.

Als wir aber recht bald an der Felskante ankamen, sahen wir, dass sich neben den guten Pfaden auch die Plattform und der Ausblick über den Lysefjord selbst definitiv jeden Schritt wert waren. Auch wenn ich mir im Tal noch nicht sicher war, ob ich mich bis ganz vor an die Kante trauen würde, musste ich nun doch einfach hinab schauen. Und als ob der Blick nach unten nicht schon atemberaubend genug wäre, verstärkten die Winde, die an der nahezu senkrechten Wand empor stiegen, das Gefühl der Ausgesetztheit nochmals um ein Vielfaches. Müsli sah zwar selbst nicht nach unten, aber es schien als würde sie wissen, dass es dort mehrere hundert Meter, 600 m um genau zu sein, ins Nichts ginge. Sie ließ sich auch nicht ganz so für diese Felsformation begeistern wie wir. Naja.. 😉

Für einige Minuten hatten wir den Preikestolen mit seinem ganzen Ausmaß für uns alleine. Wir spürten den Wind, das flaue Gefühl im Magen, wenn wir an die Kante traten, aber auch die Glücksgefühle hier heroben zu stehen und den Blick schweifen zu lassen, während die Sonne langsam hinter der Felskante verschwand.
Als wir uns wieder an den Abstieg machten, sahen wir die Sonne weiter Richtung Horizont wandern und schließlich gänzlich hinter den Wolken im Meer verschwinden. So kamen wir in der Dämmerung wieder am Parkplatz an. Müsli hatte inzwischen die angenehmere Variante des Tragens gewählt und schlüpfte direkt auf ihr Plätzchen in der Lotte.

Kleine Kreuzfahrt auf dem Lysefjord

Eigentlich wollten wir am Sonntag zuerst im Regen einige Kilometer abspulen und dann, wenn es nachmittags aufreißen würde, auf den Kjerag am Lysefjord wandern. Dort ist eine Felskugel seit vielen, vielen Jahren zwischen zwei Felsen eingeklemmt und thront von dort über dem Fjord. Man solle nicht nur einen wunderbaren Blick über das Tal und die Berge haben, sicherlich ist es auch eine gewisse Herausforderung und ein Nervenkitzel sich auf diesen Felsbrocken zu stellen, wenn es darunter mehrere hundert Meter ins Nichts und früher oder später in den Fjord geht. Die Wanderung dorthin ist als, verglichen mit der zur Trolltunga am Hardangerfjord, technisch einfach beschrieben worden. Jedoch ziehen sich wohl Strecke und Höhenmeter zum Kjeragbolten, wie der Felsbrocken heißt, doch relativ, sodass man zwischen 4 und 6 Stunden einkalkulieren müsste. Für uns sollte es also an einem Nachmittag schaffbar sein, selbst mit Müsli und bei nicht optimalen Wetterbedingungen, denn Müsli können wir einfach in den Rucksack nehmen, wenn es zu viel wird oder zu gefährlich und wir waren ja inzwischen bestens ausgestattet und hatten auch schon die ein oder andere alpine Wanderung hinter uns. Wir dachten zumindest, dass alles so klappen würde…

Als wir nach 4 Stunden anstrengender Fahrt kurz nach dem Mittag über enge und sehr enge Straßen auf den Hochebenen zwischen Vestland und Rogaland ankamen (es klarte tatsächlich nach und nach auf), freuten wir uns auf die Wanderung. Endlich raus, den Kopf etwas frei bekommen und vielleicht auch ein bisschen die Seele aus dem Leib laufen, nachdem wir so lange saßen.
Doch es sollte anders kommen: Der Parkplatz war mit einem Einweiser ausgestattet, der uns freundlich empfing und uns darauf hinwies, dass es vermutlich zu spät für unseren Aufbruch kein könnte. Er würde uns empfehlen, morgen vormittags nochmals zu kommen. Dann würden sich die 300 NOK (ca. 30 EUR) Parkgebühren auch besser lohnen.

Irgendwie waren wir beide in dem Moment etwas neben uns, weil keiner von uns wirklich widersprach.. Wir überlegten nicht mal kurz, sondern stimmten ihm mehr oder weniger zu und fuhren ins Tal. Unten angekommen, sahen wir, dass es hier nicht wirklich Plätze für eine Nacht gab. Auch die Fähre (neben der Straße, auf der wir gekommen waren, die einzige Möglichkeit wieder aus dem Tal herauszufahren), musste vorreserviert werden und fuhr nur 2 mal am Tag. Bereits jetzt, wo der Himmel immer blauer wurde, ärgerten wir uns, dass wir nicht stur geblieben sind, und die Wanderung unternommen hatten. Tatsächlich würden wir Lotte nicht nochmals die vielen Höhenmeter nach oben und nach unten quälen wollen. Der Kjeragbolten sollte also nicht heute und auch nicht morgen von uns besucht werden. Stattdessen spazierten wir noch etwas um den Ort Lysebotn herum, wobei wir allerdings fast ständig Blick auf das Restaurant am Kjeragbolten-Parkplatz hatten.

Abends organisierten wir uns also einen letzten Platz auf der Nachmittagsfähre, die uns eine knappe halbe Stunde lang an den nächsten Ort am Fjord bringen würde, von dem aus wir wieder weiterfahren können. Tatsächlich regnete es auch den gesamten Montag lang bis am späten Nachmittag die Fähre kam. Innerhalb weniger Minuten klarte es auf und wir konnten zumindest vom Fjord aus besagten Felsbrocken erspähen. Auch den leider weitaus weniger bekannten Felsvorsprung daneben, der vom Berg aussieht wie der Kopf eines Adlers („Eagle’s Head“) konnten wir sehen. So hatte sich diese vergleichsweise teure Fähre doch noch richtig gelohnt.

Der nächste Morgen begrüßte uns in Sognesand, wo wir direkt am Fähranleger stehen blieben mit einem wunderschönen Sonnenaufgang hinter den Bergen, der die leichten Wolken am Himmel in dunkles rot tauchte. Da für heute gutes Wetter gemeldet war, wollten wir abends nochmals zu einer Wanderung aufbrechen. Wir fuhren daher direkt am Morgen ein kleines Stück, sodass es nachmittags nicht mehr so weit sein sollte.